Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien

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Institut für internationale Bildung

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Warum ein Planspiel für die Minderheit?

Die deutsche Minderheit in Tschechien ist über die gesamte Republik verstreut, es gibt wenig kompakte Siedlungsgebiete. Auch die Tatsache, dass sich nur noch wenige Personen zur Zugehörigkeit zur deutschen Minderheit bekennen, hat Einfluss darauf, wie wirksam die Angehörigen der Minderheit Entscheidungen mitgestalten können. Zudem mangelt es in den Strukturen der Minderheit an gut ausgebildetem und engagierten Nachwuchs, der sich selbst mit der Minderheit identifiziert und für deren Belange einsetzt.

Mittels der Methode Planspiel, die in der politischen Bildungsarbeit vielfach zum Einsatz kommt, unterstützt das Institut für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa) die deutsche Minderheit in Tschechien dabei, sich in gesellschaftliche Willensbildungsprozesse einzuschalten und politische Entscheidungen aktiv mitzugestalten.

 

Vorgänger in Polen

Das Planspiel „Frau Deutschmannová, wie konnte denn das passieren?!“ orientiert sich am polnischen Vorgänger, der ebenfalls auf Initiative des Institut für Auslandsbeziehungen e.V. (ifa) in Zusammenarbeit mit CIVIC – Institut für Internationale Bildung entwickelt wurde.

Die deutsche Minderheit in Polen steht vor ähnlichen, aber doch unterschiedlichen, wichtigen Herausforderungen wie die deutsche Minderheit in Tschechien: Eine verstärkte Abwanderung von Mitgliedern der deutschen Minderheit in den vergangenen Dekaden, eine sich zunehmend undeutlich konturierende Identität als deutsche Minderheit, das Zurücktreten der deutschen Sprache als verbindendes Moment aber auch die Unkenntnis über die rechtlichen Möglichkeiten als Minderheit in der Republik Polen haben dazu beigetragen, dass die Selbstwahrnehmung als Angehörige der deutschen Minderheit allmählich in den Hintergrund tritt.

Im Jahr 2010 entstand die Idee, diese Herausforderungen als Anlass zu nehmen, um ein Planspiel zu entwickeln. Auf Initiative des ifa trafen sich RA Holger-Michael Arndt und Dr. Alexander Burka vom Institut für Internationale Bildung - CIVIC mit Angehörigen der deutschen Minderheit in Polen. Aus zahlreichen Gesprächen entstand das polnische Schwesterplanspiel "Der Minderheit eine Stimme geben!" Die Kulisse dieses Planspiels bildet eine fiktive Gemeinde: "Klein Plätzchendorf" in der fiktiven Woiwodschaft "Schönes Land" im Norden Polens. Klein Plätzchendorf hat etwa 30.000 Einwohner von denen an die zwanzig Prozent der deutschen Minderheit angehören. Durch mehrere Ereignisse kommt es in der Gemeinde zu einer Missstimmung innerhalb der Bevölkerung und zur Bildung von gegensätzlich orientierten Gruppierungen. Die an diesem Konflikt beteiligten Gruppen sind die Hauptbeteiligten im Planspiel: der Stadtrat, die örtliche Gesellschaft der deutschen Minderheit und einzelne nichtorganisierte Angehörige der deutschen Minderheit, sowie Diplomaten, Kirchen- und Medienvertreter. Diese Kulisse bildete erfolgreich den Hintergrund, um Lösungsansetze anzuregen und Lernprozesse anzustoßen.

Näheres zum polnischen Schwesterplanspiel „Der Minderheit eine Stimme geben“ finden Sie unter www.planspiel-minderheit.de.

Nach den positiven Erfahrungen aus Polen sollte dieses Projekt sozusagen exportiert werden. Doch eine eins-zu-eins-Übertragung des polnischen Szenarios würde den tschechischen Realien nicht gerecht. Also wurde nur das Gerüst übertragen und mit tschechischen Inhalten, Personen, Herausforderungen und Geschichten gefüllt.

 

Situation in Tschechien

Das vorliegende Planspiel für die deutsche Minderheit baut auf realen gesellschaftlichen, historischen und juristischen Rahmenbedingungen der deutschen Minderheit in Tschechien auf. Die im Planspiel gemachten Erfahrungen können damit auf reale Situationen (rück-)übertragen werden. In den einzelnen Rollenprofilen findet sich hingegen genügend Gestaltungsspielraum, um im real-fiktiven Raum auf eine individuell zu entscheidende Weise in Aktion treten zu können.

Der Erfolg von „Der Minderheit eine Stimme geben“ in Polen hat einmal mehr gezeigt, dass die Methode Planspiel geeignet ist, um aktuelle Fragen in einem spielerischen und zugleich realitätsnahen Umfeld, das es ermöglicht verschiedene Handlungsoptionen auszuprobieren, generationenübergreifend zu thematisieren. Im fiktiven Szenario eines Planspiels können Antworten zu aktuellen Fragen (Einbezug aller Generationen – insbesondere der jungen – in die Arbeit der Verbände; Leben in der tschechischen Mehrheitsgesellschaft; Stärkung von Deutsch als Minderheitensprache) in einer abgeschotteten Welt erprobt werden. Ein erwünschter Nebeneffekt ist das Sprachtraining, da die vielen Gespräche und Diskussionen auf Deutsch geführt werden.

Das Planspiel in Tschechien war von Anfang an als Generationenübergreifendes geplant: Damit wurde dem Umstand Rechnung getragen, dass gerade die Einbeziehung aller Generationen – von Jung bis Alt – eine der größten Herausforderungen der deutschen Minderheit in Tschechien darstellt. Weitere reale Herausforderungen, die in das Planspiel Eingang gefunden haben, sind das Leben in und mit der tschechischen Mehrheitsgesellschaft sowie die Vermittlung von Deutsch als Muttersprache im Kreis der Minderheit.

 

Ziele dieses Planspiels

Das erste Planspiel für die deutsche Minderheit in der Tschechischen Republik „Frau Deutschmannová, wie konnte denn das passieren?!“ setzt sich zum Ziel, die Angehörigen der Minderheit in der Wahrnehmung und Ausübung ihrer Funktion als Brückenbauer zwischen Deutschen und Tschechen zu stärken. Die Einbeziehung aller Altersgruppen fördert zudem den intergenerationellen Austausch innerhalb der Minderheit und kann dadurch engagierten Nachwuchs für die Belange der Minderheit gewinnen.

In der fiktiven Situation des Planspiels verhandeln die unterschiedlichen Akteursgruppen des Planspiels (Stadtrat der tschechischen Gemeinde, zwei Verbände der deutschen Minderheit, Vertreter der deutschen Botschaft und der tschechischen Regierung, sowie der Kirche und der Medien) über eine zentrale Fragestellung: Wie wird mit dem Erbe der Gräfin Deutschmannová umgegangen? Natürlich verfolgt jede Gruppe andere Ziele und Prioritäten, doch letztendlich wird es nur dann eine Entscheidung geben, wenn man sich einigen kann. Dafür sind umfangreiche Verhandlungen der verschiedenen Akteure nötig, um einen Kompromiss zu finden, der von einer möglichst breiten Koalition in der Gemeinde getragen werden sollte.

Die Ziele dieses Planspiels sind:

  1. Kennenlernen von Entscheidungsprozessen (Beteiligte, Verantwortlichkeiten, Analyse der Situation, Abwägen von Alternativen)
  2. Entwicklung von möglichen Lösungswegen zu aktuellen Herausforderungen der deutschen Minderheit in Tschechien (Leben in der tschechischen Mehrheitsgesellschaft, Einbeziehung aller Generationen in die Kulturarbeit und Vermittlung von Deutsch als Muttersprache)
  3. Gesprächs-, Teamarbeits- und Kompromissfähigkeit der Teilnehmenden zu stärken

 

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