Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien

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Frauenministerin

Rolle 33

Sie sind Mitglied der tschechischen Regierung und leiten dort das in dieser Legislaturperiode erstmals neu eingerichtete Frauenministerium. Sie sind parteilos und wegen Ihrer Kompetenz in Gleichberechtigungsfragen in diese Position gewählt worden. Zuvor waren Sie lange als Gleichstellungsbeauftragte in verschiedenen Zweigen der tschechischen Verwaltung tätig gewesen. Dort haben Sie gelernt, dass man oft einen langen Atem braucht, um Themen voranzubringen und sich durchzusetzen. Sie haben auch einige Monate in der Europäischen Kommission in Brüssel gearbeitet und haben dort erfahren, dass Tschechien in Frauenfragen durchaus noch viel dazulernen kann.

Neueste Untersuchungen haben einmal wieder belegt: Bei der Gleichberechtigung von Frauen liegt die Tschechische Republik weit hinter vielen anderen EU-Ländern, insbesondere den skandinavischen. Insbesondere die Führungsetagen sind immer noch fast ausschließlich von Männern besetzt. Und das obwohl knapp über die Hälfte der Bevölkerung weiblich sind! Sie sind demnach auch die einzige Frau im Kabinett und auch im Parlament gibt es kaum weibliche Abgeordnete. Frauen erhalten zudem noch immer in vielen Berufen deutlich weniger Geld als Männer, in der Regel 75 %.

Sie sind mittleren Alters, ledig und kinderlos. Dies bedauern Sie manchmal, aber es erlaubt Ihnen auch, sich voll und ganz auf Ihre Aufgabe zu konzentrieren.

Innerhalb der Regierung haben Sie es oft schwer, mit Ihren Anliegen durchzudringen.

Umso wichtiger ist Ihnen daher die große Aufmerksamkeit, die der Brief der Gräfin an Sie erzeugt hat. Die gesamte tschechische Öffentlichkeit schaut auf die Entwicklungen in Hradec Husákové. Und auch in Deutschland wird die Entwicklung interessiert verfolgt, wie auch die Anwesenheit von Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Botschaft deutlich zeigt.

Nicht zuletzt hat Sie auch der Premierminister beiseite genommen und Ihnen eingeschärft, dass die tschechische Regierung keine Blamage in Hradec Husákové erleben möchte. Er hat Ihnen aber auch klar gemacht, dass aus der Kasse der Regierung keinesfalls mit finanziellen Mitteln zu rechnen ist. Da gibt es keinen Spielraum. Alle Aktivitäten müssen sich selbst tragen bzw. muss sich der deutsche Staat engagieren, wenn es schon um die deutsche Minderheit geht. Bei Ihren Kollegen im Kabinett herrscht außerdem eine skeptische Stimmung gegenüber der Tatsache, dass die deutsche Minderheit plötzlich eine so große Öffentlichkeit bekommt. Viele Jahrzehnte waren diese doch auch in ihrer Nische und mit wenig Geld aus dem tschechischen Staatshaushalt zufrieden. Das sollte sich doch bitte auch nicht ändern, schließlich sind sie eine kleine Minderheit unter sehr, sehr vielen Tschechen.

Die Sache mit dieser Sophie von Waldštejn hat für Sie einen Haken und zwar einen nicht unwesentlichen. Für Sie verbindet sich mit dieser Frau Ihre Jugend. Sie waren immer eine glühende Verehrerin von Hana Deutschmannová gewesen. Die war schon immer Ihr Idol. Ihr tschechisches Idol. Früher – und so haben Sie es den tschechoslowakischen Filmzeitschriften entnommen, war das eine Tschechin, durch und durch. Niemand wäre auf die Idee gekommen da eine Deutsche zu vermuten. Dieses Brimborium mit dieser sogenannten „Gesellschaft der deutschen Minderheit Johanna Waldštejn“ macht Sie auch ganz fuchsig. Diese Deutschen – jetzt wollen die Ihnen auch noch „Ihr“ eigenes Idol klauen!  

Taktik:

Sie kommen mit großen Erwartungen nach Hradec Husákové.

Zum einen erhoffen Sie sich einen deutlichen Schub für Ihr Thema Gleichberechtigung und die Situation der Frauen im Land. Zum anderen bringen Sie auch die vielfältigen Erwartungen der Regierung mit. Dadurch lastet auch ein gewisser Druck auf Ihnen, den Sie sich aber nicht anmerken lassen.

Da Sie relativ wenig über die Situation in Hradec Husákové im Allgemeinen und die der deutschen Minderheit im Speziellen wissen, hören Sie erst einmal allen zu, um sich ein Bild zu machen.

Wichtig ist Ihnen aber, dass es zu einer guten Einigung kommt. Das ist aus Ihrer Sicht nur dann erreicht, wenn das Thema Frauen und deren besondere Förderung nicht zu kurz kommen. Sie haben zu häufig erlebt, dass das Thema am Ende nur stiefmütterlich behandelt wird! Betonen Sie bei Bedarf, dass das Vermächtnis nur dann zur Auszahlung kommen kann, wenn auch diese Bedingung von Sophie von Waldštejn erfüllt wird. Durch den Brief an Sie fühlen Sie sich bei Sophie „im Wort“. Außerdem sollten die Deutschen Ihrer Meinung nach nicht zu fordernd auftreten, schließlich sind sie nur sehr wenige in einer großen Mehrheit von Tschechen. Das können Sie aber so offen nicht sagen, schließlich ist auch die deutsche Botschaft bei den Gesprächen mit von der Partie und Sie möchten keine diplomatischen Schwierigkeiten heraufbeschwören.

Auf jeden Fall kann die Regierung das Projekt nicht mit einer Krone finanziell unterstützen. Das sagen Sie natürlich nicht so offen. Am besten wäre es, wenn für alle zusätzlichen Kosten der deutsche Staat aufkommen würde. Aber das können Sie nicht offen sagen, die diplomatischen Konsequenzen wären nicht auszudenken! Versuchen Sie im Hintergrund, die Entscheidungen in diese Richtung zu steuern.

Da Sie aber auf der kommunalen Ebene keine Entscheidungsbefugnisse haben, müssen Sie sich Verbündete suchen, die Ihre Meinung teilen.

Das Gefängnis stellt für Sie eine Alternative dar, wenn das Thema Frauen in anderer Weise keine Berücksichtigung findet und es ausschließlich eine modernes Gefängnis für Frauen wird. Ihr Kollege, der Justizminister, hat ebenso gewisse Sympathien dafür erkennen lassen. Vor allem ist das Gefängnis etwas, was abseits dieser deutschen Minderheit liefe. Diese Einmischung des deutschen Botschafters ist Ihnen nicht nur suspekt, sondern sie läuft Ihnen geradezu gegen den Strich.

Das sagen Sie natürlich niemals offen, aber die Deutschen hält man besser auf Distanz, davon sind Sie fest überzeugt.

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