Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien

Ifa ohne cmyk

Institut für internationale Bildung

Aktuelle Seite: RollenGesellschaft "Johanna Waldštejn"

Rolle 1 - Handwerker/in

Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, Mitglied im Nationalen Verband der Deutschen Gesellschaften
Rolle 1 – Die Handwerkerin/der Handwerker

Sie sind Teil der deutschen Minderheit in Hradec Husákové. Sie sind in der Stadt kurz nach dem Zweiten Weltkrieg geboren und auch aufgewachsen. Die besondere Geschichte der Stadt kennen Sie aus vielen Geschichten Ihrer Eltern und Großeltern. Sie sind stolz auf die Vergangenheit Ihrer Heimatstadt.

Nach dem Schulabschluss am Gymnasium Josefská von Hradec Husákové haben Sie eine Berufsausbildung in einem Handwerksberuf erfolgreich durchlaufen. Sie haben dann 40 Jahre lang im örtlichen Heizwerk gearbeitet, das die ganze Stadt mit Fernwärme versorgt. Seit Kurzem sind Sie nun im Pensionsalter. Ihre handwerklichen Kenntnisse haben bereits in der Vergangenheit der Gesellschaft schon gute Dienste geleistet. Bereits seit der Gründung der Gesellschaft kurz nach dem politischen Wandel zu Beginn der neunziger Jahre des letzten Jahrhunderts sind Sie in Ihrer Freizeit aktiv für sie tätig. Sie haben sich vor wenigen Jahren einen Traum erfüllt und sind Mitglied im Vorstand der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ geworden und engagieren sich gerne für sie. Nach der Trennung von Ihrer Ehepartnerin/Ihrem Ehepartner, die/der ins Ausland gegangen ist, wurden die Gesellschaft und nicht zuletzt der Vorstand quasi zu einer Ersatzfamilie für Sie. Sie verbringen den meisten Teil Ihrer Freizeit mit Bekannten und Freunden, die Sie über die Gesellschaft kennen gelernt haben. Nur sind diese Aktivitäten bislang größtenteils auf verschiedene Orte verteilt. Man trifft sich mal da und mal dort.

Die nun diskutierte Idee eines großen Kulturhauses sehen sie als sehr positiv. Insgesamt hoffen Sie, dass Sie dort auch für sich ein hohes Maß an Selbstverwirklichung finden können. Je größer das Objekt, je schlechter der bauliche Zustand, umso mehr können Sie dort wirken und sich mit Ihren Kenntnissen einbringen. Sie könnten sich vorstellen, insbesondere mit jungen arbeitslosen Menschen dort zu arbeiten. Besonders das Konzept zur Förderung der jungen Frauen hat es Ihnen ganz besonders angetan. Das war schon die längste Zeit notwendig, denn junge, gut ausgebildete Frauen aus der Minderheit verließen Hradec Husákové über die Jahre immer häufiger. Und war nicht schon Hana Deutschmannová eine von diesen Frauen? Ohnehin sind sie der Meinung, dass sich die Arbeit der Gesellschaft nicht nur auf Kunst und Kultur beschränken sollte. Allzu oft in der Vergangenheit haben sie den „Verein für deutsche Kunst“ auch insgesamt als zu wenig aktiv im Einsatz für die deutsche Sache empfunden. Das war auch ein Grund, warum sie sich nie im „Verein für deutsche Kunst“ der deutschen Minderheit engagiert haben und sie diesem eher kritisch gegenüber stehen. Außerdem finden Sie, dass die Interessenvertretung der Deutschen in Hradec Husákové nicht von zwei Organisationen wahrgenommen werden sollte. Das führt nur zur Zersplitterung der ohnehin immer kleiner werdenden Gemeinschaft. Ein Zusammenschluss beider Organisationen wäre hier sicher von Vorteil. Die Diskussions- und Entscheidungskulturen in beiden Organisationen haben sich aber über die Jahre doch sehr unterschiedlich entwickelt. Sie sind unsicher, ob die beiden zusammenpassen können.

Die vorgetragene Idee des Hauses bringt jedoch aus Ihrer Sicht das Problem mit sich, dass es lange dauern wird, bis man dieses Haus wie geplant nutzen können wird. Schnelle Erfolge werden wohl kaum erzielt werden. Diese sind Ihnen aber auch nicht wichtig. Sprachkurse, Tanzabende oder Lesungen sind gut und schön, aber damit ist es aus Ihrer Sicht heute nicht mehr getan.

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie keine Option, denn dann wäre das Geld für die deutsche Minderheit verloren.

Zu Beginn Ihrer nächsten Sitzung steht die Wahl einer neuen Vorsitzenden/eines neuen Vorsitzenden auf dem Programm. Die derzeitige politische Situation in der Stadt lässt jedoch ein Agieren der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ ohne eine starke Führungsperson an der Spitze nicht zu. Die Herausforderungen sind gewaltig. Das anstehende Projekt eines neuen Kulturhauses ist das größte Projekt ihrer Geschichte. Noch sind Sie sich unsicher, wie Sie dieses Projekt stemmen können. Der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft ist vor wenigen Wochen aus Altersgründen zu seinen Kindern in die Bundesrepublik Deutschland nach Bayreuth gezogen. Seine Kinder, insbesondere die Töchter, hatten bereits zur Zeit der ČSSR ihre Heimat verlassen.

Die gesamte Situation bringt für den Vorstand ein Gefühl der Unsicherheit mit sich. Seit vielen Jahren ist der Vorstand ein kleiner Kreis von Vertrauten. Sie würden gerne in diesem Kreise bleiben. Die Ereignisse in Hradec Husákové und der seit Jahren für Sie eher unbemerkt existierende „Verein für deutsche Kunst“, der gerade nicht Mitglied der Gesellschaft ist, scheinen jedoch dieses Ansinnen schwieriger zu gestalten. Mit der Zeit wird es Ihnen immer bewusster, dass es zu einer fundamentalen Neuordnung des Vorstandes und der Organisation kommen kann. Immer mehr wird über einen Zusammenschluss der Gesellschaft und des Vereins spekuliert, um so die deutsche Minderheit mit einer Stimme sprechen lassen zu können. Sollte das der Fall sein, dann stehen Neuwahlen für die Gesellschaft an und jedes Mitglied muss sich selbst um seine Wiederwahl bemühen.

Taktik:

Bei der anstehenden Wahl an der Spitze des Vorstands der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ muss die Frage des Vorsitzes geklärt werden. Sie stehen nicht an erster Stelle, wenn es darum geht, sich für diese Position ins Gespräch zu bringen. Für Sie ist es weitaus wichtiger, eine Person als Vorsitzende/Vorsitzender zu haben, die sich für Ihren dauerhaften Verbleib im Vorstand einsetzen wird. Denken Sie bei Ihrer Wahlentscheidung strategisch.

Die Frage nach einem Kulturhaus verfolgen Sie mit großem Interesse. Sie sind für ein deutliches Zeichen „Pro Minderheit“ seitens der Stadt. Insbesondere würde Ihnen ein Haus gefallen, an dem noch Vieles handwerklich zu verändern ist. So könnte Ihrer Meinung nach beim Aufbau des Hauses eine Gemeinschaft entstehen und die verstreute deutsche Minderheit wieder zusammenwachsen. Repräsentative Zwecke sind Ihnen unwichtig. Die Kraft kommt Ihrer Ansicht nach aus dem Inneren und hat nichts mit äußeren Attributen zu tun.

Hinsichtlich der Inhalte, die an das Haus gebunden werden sollen, fühlen Sie sich nicht besonders sicher, eine feste Position zu beziehen. Dennoch möchten Sie den Kreis nicht zu eng ziehen. Ihnen waren in der Vergangenheit Programme für die deutsche Minderheit oft zu stark für den Kopf und manchmal auch für das Herz, aber immer zu wenig aktiv „für die Hände“ bestimmt. Die Idee mit der Förderung der Frauen aus Hradec Husákové gefällt Ihnen hingegen sehr.

Sie arbeiten ganz besonders gerne auch mit der Presse zusammen, die sehr interessiert ist, von Ihnen und der Gesellschaft zu erfahren.

Für die etwaigen Neuwahlen zu einem Vorstand einer neuen, gemeinsamen Organisation, die für Sie aber noch in weiter Ferne liegen, werden Sie selbstverständlich erneut kandidieren. Sie bemühen sich rechtzeitig, vom Vorstand insgesamt Unterstützung zu bekommen. Dafür „heulen Sie auch schon einmal mit den Wölfen“. Versuchen Sie eine gemeinsame Meinung der Mitglieder auszubilden, die Sie dann als Ihre eigene Meinung nach außen vertreten.

Die Einbeziehung neuer Personen in den Vorstand der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ bedeutet automatisch, dass bisherige Mitglieder den Vorstand verlassen müssen. Das ist für Sie zwar selbstverständlich, Sie sind aber auch beunruhigt, denn es könnte auch um Ihren Platz gehen. Sollte es jedoch dazu kommen, dann sind Sie der Meinung, dass sich alle neuen Mitglieder den alten unterzuordnen haben sollten. Das würde auch für den „Verein für deutsche Kunst“ gelten!

 

Rolle 2 - die rechte Hand

Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, Nationaler Verband der Deutschen Gesellschaften
Rolle 2 – Die rechte Hand

Sie hatten bislang den stellvertretenden Vorsitz der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ inne, und das sogar über viele Jahre. Die Unterstützung des Vorsitzenden hat Ihnen immer viel Spaß gemacht. Sie arbeiten seit vielen Jahren in der Verwaltung eines mittelständischen Unternehmens und kennen sich bei organisatorischen Dingen besonders gut aus. Sie sind eher schüchtern und haben sich immer hinter den starken Schultern des „ersten Mannes“ an der Spitze der Gesellschaft verstecken können.

Sie sind der festen Überzeugung, jahrelang gute Arbeit geleistet zu haben und nun an der Reihe zu sein. Sie möchten Ihre Schüchternheit überwinden und das bekommen, wofür Sie sich viele Jahre eingesetzt haben. Wenngleich der Erfolg nicht immer ein großer und nicht immer auf dem ersten Blick sichtbar war. Und dennoch – steter Tropfen höhlt den Stein: Sie waren immer dabei und die wichtigsten Figuren sind ja schließlich immer die im Hintergrund. Wer genau schaut, versteht das auch!

Zu Beginn Ihrer nächsten Sitzung steht die Wahl einer neuen Vorsitzenden/eines neuen Vorsitzenden auf dem Programm. Sie ahnen, dass mögliche Neuwahlen des gesamten Vorstandes oder eine gesamte Neuorganisation der deutschen Minderheit auch nicht mehr lange auf sich warten lassen könnten. Dies ist ihrer Meinung nach dem Druck von außen geschuldet. Die derzeitige politische Situation in der Stadt lässt jedoch ein Agieren der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ ohne eine starke Führungsperson an der Spitze nicht zu. Die Herausforderungen sind gewaltig. Das anstehende Projekt der „Rettung des Vermächtnisses“ für die Sache der Minderheit und der Schaffung eines Kulturhauses ist das größte Projekt Ihrer Geschichte. Noch sind Sie sich unsicher, wie Sie dieses Projekt stemmen können – zumal der Druck der anderen Mitglieder in anderen Organisationen der deutschen Minderheit immer stärker wird. Und die Sache mit den Frauen ist für Sie eigentlich nicht so richtig nachvollziehbar. Überhaupt war Ihnen das ganze Getue der alten Gräfin schon immer sehr suspekt. Muss man schauen, wie ernst dies wirklich zu nehmen ist. Dennoch sind Sie der Meinung, dass der Kurs der Gesellschaft richtig gewesen ist. Ein modernes und junges Bild nach außen zu pflegen, das muss das Ziel der Arbeit sein.

Der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft ist vor wenigen Wochen aus Altersgründen zu seinen Kindern in die Bundesrepublik Deutschland nach Bayreuth gezogen. Seine Kinder hatten bereits zur Zeit der ČSSR ihre Heimat verlassen.

Für Sie ist es selbstverständlich, von allen Mitgliedern des Vorstandes für die Position des Vorsitzes bestätigt zu werden. Allerdings haben Sie das Gefühl, dass die Ereignisse in Hradec Husákové so viel Unruhe gebracht haben. Vieles, was einmal selbstverständlich gewesen ist, wird nun nicht mehr so bleiben. Insbesondere ist Ihnen das neue nachgerückte Mitglied im Vorstand noch sehr unbekannt und daher unkalkulierbar für Sie.

Mögliche Neuwahlen für den gesamten Vorstand oder die Schaffung einer ganz neuen Organisation bringen ein Gefühl der Unsicherheit mit sich. Seit vielen Jahren ist der Vorstand ein kleiner Kreis von Vertrauten. Sie würden gerne in diesem Kreise bleiben. Die letzten Ereignisse in Hradec Husákové und der seit Jahren eher unbemerkt existierende „Verein für deutsche Kunst“, der eben gerade nicht Mitglied der Gesellschaft ist, scheinen jedoch dieses Ansinnen schwieriger zu gestalten. Mit der Zeit wird Ihnen immer deutlicher, dass es zu einer fundamentalen Neuordnung des Vorstandes und der Organisation kommen kann. Immer mehr wird über einen Zusammenschluss der Gesellschaft und des Vereins spekuliert, um so die deutsche Minderheit mit einer Stimme sprechen lassen zu können. Bei diesem Gedanken ist Ihnen aber nicht ganz wohl. Sollte es aber dennoch der Fall sein, dann stehen Neuwahlen für die Gesellschaft an und jedes Mitglied muss sich selbst um seine Wiederwahl bemühen.

Taktik:

Bei der anstehenden Wahl an der Spitze des Vorstands der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ muss die Frage des Vorsitzes geklärt werden. Sie stehen bislang nicht an erster Stelle. Doch wenn es darum geht, jetzt diese Position zu übernehmen, bringen Sie sich ins Gespräch.

Die Kandidatur von anderen Mitgliedern würden sie als großen Affront gegen Ihre Person und Ihr unermüdliches Engagement verstehen. Bei Nachfragen im Hinblick auf die tatsächlichen Leistungen reagieren Sie gereizt. „Ist denn nicht der Erhalt der Gesellschaft über viele Jahre schon ein großer Erfolg?“, so Ihre Antwort.

Nicht zuletzt die Kandidatur von jüngeren bzw. neueren Vorstandmitgliedern erregt Ihren Unmut. Diese Personen sollten erst einmal etwas leisten, um dann das Amt des Vorsitzes als Anerkennung und Auszeichnung für sich beanspruchen zu können. Traditionelle Verbundenheit und auch der persönliche Bezug stehen da für Sie an erster Stelle. Sie sind der Meinung, dass Ihre Organisation sich in den letzten Jahren gut und zukunftweisend aufgestellt hat. Mit allen anderen Personen kaufe man schließlich die „Katze im Sack“. Außerdem müsse man seine eigenen Fähigkeiten doch erst mal unter Beweis stellen, bevor man da an die Schalthebel gelassen wird. Ganz besonders skeptisch äußern Sie sich gegenüber dem „Verein für deutsche Kunst“. Als Sie begannen, sich nach der Samtenen Revolution für deutsche Minderheit zu engagieren, wollten Sie bewusst anders arbeiten als deren Mitglieder. Diese haben sich bei den Machthabern doch nur angebiedert. Für Sie ist das auch eine Frage der „Ehre“. Die Interessen der Deutschen in Hradec Husákové müssen mit Nachdruck vertreten werden. Gerade diesen Biss hat der Verein Ihrer Meinung nach nie gezeigt, sondern sich vorschnell auf Kompromisse mit den jeweiligen Machthabern eingelassen.

Die Frage nach einem Kulturhaus für die Gesellschaft der deutschen Minderheit verfolgen Sie mit großem Interesse. Sie sind für ein deutliches Zeichen an die Gesellschaft der deutschen Minderheit seitens der Stadt. Insbesondere würde Ihnen ein Haus gefallen, in dem Sie angemessen „residieren“ könnten. So würde Ihrer Meinung nach die deutsche Minderheit insgesamt profitieren. Nur wer sichtbar in der Stadt präsent ist, der kann auch an vorderster Stelle Einfluss nehmen. Deshalb sollte ein Objekt gewählt werden, das schnell für repräsentative Veranstaltungen genutzt werden kann. Langwierige Aus- und Umbauarbeiten sollten nicht nötig sein.

Hinsichtlich der Inhalte, die an das Haus gebunden werden sollen, fühlen Sie sich besonders sicher, eine feste Position zu beziehen. Die alten Mitglieder der deutschen Gemeinschaft müssen in Würde ihre Kultur, ihre Geschichte und ihre Geschichtchen pflegen können. Ein Ort der Heimat und Begegnung mit Folklore, persönlicher Ansprache und Betreuung ist für Sie das Ziel. Außerdem: alt wird ja jeder einmal und so könnte auch jeder von diesem Objekt profitieren. Insbesondere sollten die Werke der von Ihnen sehr verehrten Johanna Waldštejn wieder mehr in den Vordergrund gestellt werden.

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie gar keine Option, denn dann wäre das Geld für die deutsche Minderheit verloren. Das kommt nicht in Frage für Sie.

Für die jedwede Art von Neuwahlen zum Vorstand, die für Sie noch in weiter Ferne liegen, werden Sie selbstverständlich erneut kandidieren. Sie bemühen sich rechtzeitig, vom Vorstand insgesamt Unterstützung zu bekommen. Dafür „heulen Sie auch schon einmal mit den Wölfen“. Versuchen Sie eine gemeinsame Meinung der Mitglieder auszubilden, die Sie dann als Ihre eigene Meinung nach außen vertreten.

Die Einbeziehung neuer Personen in den Vorstand bedeutet automatisch, dass bisherige Mitglieder den Vorstand verlassen müssen. Das ist für Sie zwar selbstverständlich, Sie sind aber auch beunruhigt, denn es könnte auch um Ihren Platz gehen.

 

Rolle 3 - antriebsarme Person

Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, Nationaler Verband der Deutschen Gesellschaften
Rolle 3 – Die antriebsarme Person

Sie sind langjähriges Mitglied in der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Wald­štejn“. Sie sind gerne mit dabei, wenn Sie mal gebraucht werden. Sie wollen sich dabei aber auch nicht überanstrengen. Arbeit dürfen gerne die anderen machen, die es darauf in der Vergangenheit auch angelegt haben. Jeder hat sein Schicksal zu vertreten.

Bei Beginn Ihrer nächsten Sitzung steht die Wahl einer neuen Vorsitzenden/eines neuen Vorsitzenden auf dem Programm. Die derzeitige politische Situation in der Stadt lässt jedoch ein Agieren der Gesellschaft der deutschen Minderheit ohne eine starke Führungsperson an der Spitze nicht zu. Die Herausforderungen sind gewaltig. Das anstehende Projekt, die Umsetzung des letzten Willes der von Ihnen hochgeschätzten Hana Deutschmannová und damit die Ermöglichung eines Kulturhauses ist das größte Projekt ihrer Geschichte. Allerdings sind Sie skeptisch, inwiefern diese ganzen Anforderungen erfüllt werden können. Manches erscheint Ihnen schlicht zu aufwendig. Lieber Eile mit Weile. Letztendlich hat ja auch alles ohne das Vermächtnis ganz gut geklappt.

Sie selber stehen als Kandidatin/Kandidat eher nicht für die Wahl der Vorsitzenden/des Vorsitzenden zur Verfügung. Das würde Ihnen doch viel zu viel Arbeit bereiten.

Grundsätzlich finden Sie die Idee eines Kulturhauses sehr gut. Wichtig ist allerdings, dass die Arbeit dafür nicht an dem Vorstand der Gesellschaft – an Ihnen – hängen bleibt. Daher sollte ein Haus ausgewählt werden, das in der Unterhaltung nur wenig Arbeit und Kosten verursacht. Auch sollten möglichst viele Personen aus allen anderen Gesellschaften der deutschen Minderheit eingebunden werden, um so die Verantwortung aufzuteilen. Wobei die Rolle und die Zusammensetzung des Vorstandes der Gesellschaft möglichst unangetastet bleiben sollen, auch wenn der Zusammenschluss aller deutschen Vereinigungen einmal beschlossene Sache sein sollte.

Die Ziele dieses Kulturhauses sollten ebenso nicht zu weit hochgeschraubt werden. Der Stadtverwaltung sollte Ihrer Meinung nach deutlich aufgezeigt werden, dass diese sich in dieses Projekt weiterhin sehr stark einzubinden hat. Immerhin profitiert ja die Stadt davon, dass das Vermächtnis diesem Zwecke zufallen wird. An einer inhaltlichen Auseinandersetzung mit der Stadtverwaltung haben Sie ebenso kein Interesse. Keinesfalls würden Sie einen Streit wegen einer möglichen Benennung des Hauses und der möglichen Inhalte des Hauses riskieren wollen. Hauptsache andere sind verantwortlich!

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie aber auch keine Option, denn dann wäre das Geld für die deutsche Minderheit verloren.

Sie sind insbesondere unsicher, wie die Gesellschaft der deutschen Minderheit dieses Projekt stemmen können wird. Zumal der Druck der „andersorganisierten“ Mitglieder des „Vereins für deutsche Kunst“ immer stärker wird. Sie vertreten trotz allem explizit die Ansicht, dass Ihre Organisation den einzigen berechtigten Anspruch hat, die Sache der deutschen Minderheit zu vertreten. Überhaupt muss man mit den Mitgliedern des „Vereins für deutsche Kunst“ vorsichtig sein. Diese waren größtenteils schon in der Zeit der ČSSR in „Amt und Würden“ und haben nach der Samtenen Revolution ihr Fähnchen nach dem neuen Wind gehängt. Wer mit dem damaligen System zusammengearbeitet hat, der muss aus Ihrer Sicht mit Vorsicht betrachtet werden.

Der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft ist vor wenigen Wochen aus Altersgründen zu seinen Kindern in die Bundesrepublik Deutschland nach Bayreuth gezogen. Seine Kinder hatten bereits zur Zeit der ČSSR ihre Heimat verlassen.

Seit vielen Jahren ist der Vorstand ein kleiner Kreis von Vertrauten. Sie würden gerne weiter in diesem Kreise zusammen sein wollen. Die Ereignisse in Hradec Husákové und der seit Jahren eher unbemerkt existierende „Verein für deutsche Kunst“, der eben gerade nicht Mitglied der Gesellschaft Johanna Waldštejn ist, scheint jedoch dieses Ansinnen schwieriger zu gestalten. Mit der Zeit wird Ihnen immer deutlicher, dass zu einer fundamentalen Neuordnung des Vorstandes und der Organisation kommen kann. Denn immer mehr wird über einen Zusammenschluss der Gesellschaft und des Vereins spekuliert, um so die deutsche Minderheit mit einer Stimme sprechen lassen zu können. Sollte das der Fall sein, dann stehen Neuwahlen für die Gesellschaft an und jedes Mitglied muss sich selbst um seine Wiederwahl bemühen.

Taktik:

Bei der anstehenden Wahl an der Spitze des Vorstands der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ muss die Frage des Vorsitzes geklärt werden. Für Sie persönlich ist dies alles zwar interessant, aber Sie haushalten mit Ihren eigenen Kräften sehr zurückhaltend. Einbringen ja, mitmachen ja – aber niemals sich selbst zugrunde richten. Nein, das geht nicht. Sie kennen es ja, wie es ist. Außerdem hat die Gesellschaft der deutschen Minderheit in den vergangenen Jahren auch ohne große Projekte und Parlamente funktioniert. Warum also jetzt?

Als neue Vorsitzende/neuer Vorsitzender können Sie sich selbst nur sehr schlecht vorstellen. Sie ahnen, dass das viel Arbeit bedeuten könnte. Es gibt doch anscheinend genug Leute, die nicht wissen wohin mit Ihrer Kraft. Sie unterstützen aber gerne Personen, die alles an sich reißen und machen. Aber nur solange diese Personen Sie in Ruhe lassen und Ihre Position im Vorstand auch nicht in Frage stellen. Dabei stört es Sie auch nicht, dass Ihre Linie nicht immer klar ist.

Der einzige Weg für Sie ist, erst einmal ruhig abzuwarten und dann ausgleichend zu wirken. Allerdings auch nicht zu angestrengt – Sie tendieren sehr viel eher zu einem einfachen JA als zu einem NEIN, das wiederum Arbeit bedeutet.

Die Leute vergeuden aus Ihrer Sicht immer zu viel Energie mit unnötigen Streitereien. Deswegen schauen Sie sich einmal an, was die anderen Vorstandsmitglieder wollen und versuchen hier gezielt Allianzen zu schließen. Aktiv einbringen – im Sinne einer eigenen Strategie - scheint Ihnen überhöht.

Lediglich, wenn es daran geht, die Ereignisse vor 1989 zu deuten, lassen Sie sich nicht die Butter vom Brot nehmen. Sie wissen genau, wie schwierig es war, in dieser Zeit zu leben. Und wie wenig der „Verein für deutsche Kunst“ für die Sache der Deutschen eingetreten ist.

Die Idee eines Kulturhauses ist aus Ihrer Sicht grundsätzlich ein gutes Zeichen, mit dem man nichts falsch machen kann. Es sollten sich dann aber die Leute dafür einsetzen, die das Haus auch haben wollen. Diese Personen sollten konkret in die Verantwortung genommen werden. Trotz aller Ihrer Bedenken ist Ihnen in diesem gesamten Prozess der Diskussion wichtig, dass die führende Rolle Ihrer Organisation innerhalb der deutschen Minderheit nicht in Frage gestellt werden darf.

Sie denken da in erster Linie an den Stadtrat, dem Sie sehr deutlich ein permanent schlechtes Gewissen unterstellen. Aber auch den engagierten Mitgliedern der deutschen Minderheit unterstellen Sie, deutlich über das Ziel hinauszuschießen. Alles was man verspricht, sollte auch eingehalten werden. Daher sollte man Ihrer Ansicht nach lieber nichts versprechen und besser abwarten.

Für jedwede Art von Neuwahlen zum Vorstand, die für Sie noch in weiter Ferne liegen, werden Sie selbstverständlich erneut kandidieren. Sie bemühen sich rechtzeitig, vom Vorstand insgesamt Unterstützung zu bekommen. Dafür „heulen Sie auch schon einmal mit den Wölfen“. Versuchen Sie eine gemeinsame Meinung der Mitglieder auszubilden, die Sie dann als Ihre eigene Meinung nach außen vertreten.

Die Einbeziehung neuer Personen in den Vorstand bedeutet automatisch, dass bisherige Mitglieder den Vorstand verlassen müssen. Das ist für Sie zwar selbstverständlich, Sie sind aber auch beunruhigt, denn es könnte auch um Ihren Platz gehen.

Rolle 4 - Kassenwart/in

Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, Nationaler Verband der Deutschen Gesellschaften
Rolle 4 – Die Kassenwartin/der Kassenwart

Sie sind seit vielen Jahren Mitglied im Vorstand der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“. Fast eben solange sind Sie verantwortlich für die Kasse der Gesellschaft. Auch wenn die Mittel eher bescheiden sind, achten Sie mit größter Sorgfalt auf eine ordentliche Buchhaltung. Das ist vielleicht das typisch Deutsche an Ihnen, was Sie selbst an sich bewundern und andere zugleich kritisieren. Das schätzt man auch auf Ihrer Arbeitsstelle sehr an Ihnen und nur so konnten Sie zur Chefkassiererin/zum Chefkassierer der örtlichen Sparkasse aufsteigen, denken Sie.

Eigentlich muss man sagen, dass Sie mit der Situation wie sie ist zufrieden sind. Die gegenwärtige Gestalt der Gesellschaft ist das Ergebnis jahrelangen Zusammenhalts und Arbeitens. Verständlich, dass es sich da oftmals nur um eine Vielzahl kleiner Schritte gehandelt hat. Aber das Ergebnis ist dann eben so und passt.

Visionäre Vorstellungen haben Sie in Ihrem Leben schon genügend beobachten müssen, diese sind allesamt gescheitert. Sie schließen sich dem Satz eines ehemaligen deutschen Bundeskanzlers an, der gesagt haben soll: „Wer Visionen hat, der soll am besten gleich zum Arzt gehen!“. Visionen wollen alle, Verantwortung aber niemand – so kann es nicht bei Ihnen gehen. Nur solide Arbeit über die Jahre hinweg darf sich auszahlen. Sie finden, dass man das auch sieht. Die Aufregung um das Vermächtnis und dessen Verwendung ist aus Ihrer Sicht übertrieben. Das angestrebte Haus ist für Sie zu viel des Guten. Für Sie ist alles in bester Ordnung – zu verändern gibt es rein gar nichts.

Sie sind daher aus sehr kritisch, wenn andere Vorstandsmitglieder sehr großzügig mit dem Geld aus dem Vermächtnis umgehen wollen. Ihre lange Tätigkeit als Kassenwart hat Ihnen eines gezeigt: es wichtig ist, Geld in der Reserve zu behalten. In diesem Punkt stimmen Sie mit der Gräfin überein. Schließlich hat sie auch vor langer Zeit Geld angelegt, das sich über die Jahre still vermehrt hat. Sie möchten deshalb auf keinen Fall das ganze Geld ausgeben. Wer weiß, wofür man das Geld noch einmal gebrauchen kann?

Zu Beginn ihrer nächsten Sitzung steht die Wahl einer neuen Vorsitzenden/eines neuen Vorsitzenden für die Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ auf dem Programm – wohl wissend, dass die Neuwahlen des gesamten Vorstandes möglicherweise auch nicht mehr lange auf sich warten lassen.

Der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft ist vor wenigen Wochen aus Altersgründen zu seinen Kindern in die Bundesrepublik Deutschland nach Bayreuth gezogen. Seine Kinder hatten bereits zur Zeit der ČSSR ihre Heimat verlassen.

Seit vielen Jahren ist der Vorstand ein kleiner Kreis von Vertrauten. Sie würden gerne in diesem Kreise bleiben. Die Ereignisse in Hradec Husákové und die Tatsache, dass sich der „Verein für deutsche Kunst“ plötzlich so lautstark zu Wort meldet, scheinen jedoch dieses Ansinnen erheblich zu stören. Mit der Zeit wird Ihnen immer deutlicher, dass zukünftige Wahlen nicht nur ein bloße Formalie sein werden, sondern zu einer fundamentalen Neuordnung des Vorstandes führen können. Da der Vorstand nicht „en bloc“ gewählt wird, muss jedes Mitglied sich selbst um seine Wiederwahl bemühen.

Taktik:

Bei der anstehenden Wahl an der Spitze des Vorstands der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ muss die Frage des Vorsitzes geklärt werden.

Für Sie ist klar: der Kurs muss gleich bleiben. Die Gesellschaft der deutschen Minderheit braucht keinen Aktionismus, sie braucht Administration. Daher stehen Sie als Vorsitzende/Vorsitzender auch nicht zur Verfügung. Die Gesellschaft hat in den letzten Jahren alles das geleistet, was Ihnen wichtig war. Unauffälliges Bestehen im Hintergrund, keine großen Projekte und personelle Stabilität.

Demnach unterstützen Sie jene, denen die Beibehaltung des Status quo als ein wichtiger Wert erscheint. Jungen, aufstrebenden und sonstigen unkontrollierbaren Personen schenken Sie keine Aufmerksamkeit und vor allem keine Unterstützung.

Sollte es aber dennoch zu einem Engagement in Richtung Kulturhaus kommen, so drängen Sie ganz deutlich darauf, nicht alles Geld auf einmal auszugeben. Ihr Lebenswerk ist es quasi, in der Gesellschaft langfristig für solide Finanzen gesorgt zu haben. Sie könnten es nicht ertragen, wenn das ganze neue Geld nun für einen vergänglichen Firlefanz benutzt werden würde. Besser wäre es dann in Gedenksteine oder die Bewahrung von Friedhöfen zu investieren.

Gedenken ist für Sie auf jeden Fall ein ganz wichtiger Punkt in der deutsch-tschechischen Geschichte. Gerade junge Menschen sollten hier herangeführt werden. Zukunft lässt sich ohne Vergangenheit nicht denken. Viele Werte, die gerade die deutsche Minderheit während der Zeit der ČSSR hat vermissen müssen, sollen junge Menschen wieder lernen. Das Haus wäre bestens geeignet, an die alten Traditionen anzuknüpfen.

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie jedoch keine Option, denn dann wäre das Geld für die deutsche Minderheit verloren.

Für die anstehenden Neuwahlen zum Vorstand der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, die für Sie noch in weiter Ferne liegen, werden Sie selbstverständlich erneut kandidieren. Auch hier gilt es, Ihr Lebenswerk – die Existenz der Gesellschaft – zu verteidigen. Sie bemühen sich rechtzeitig, vom Vorstand insgesamt Unterstützung zu bekommen. Dafür „heulen Sie auch schon einmal mit den Wölfen“. Sie lassen sich aber dennoch Ihre eigene Meinung grundsätzlich nicht verbieten.

Die Einbeziehung neuer Personen in den Vorstand bedeutet automatisch, dass bisherige Mitglieder den Vorstand verlassen müssen. Das ist für Sie zwar selbstverständlich, Sie sind aber auch beunruhigt, denn es könnte auch um Ihren Platz gehen.

 

Rolle 5 - Verehrer/in von Johanna Waldštejn

Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, Nationaler Verband der Deutschen Gesellschaften
Rolle 5 – Die Verehrerin/der Verehrer von Johanna Waldštejn

Für Sie ist es wichtig, dass sich die deutsche Minderheit in der Gesellschaft „Johanna Waldštejn“ engagiert. Sie sind seit vielen Jahren Mitglied in der Gesellschaft und darüber hinaus auch im Vorstand tätig. In Ihrer Tätigkeit als Försterin/Förster haben sie viel Zeit, um in der freien Natur über alle wichtigen Dinge nachzudenken. Dazu gehört für Sie auch das Schicksal der Gesellschaft „Johanna Waldštejn“.

Für Sie ist daher Besonnenheit die Grundlage jeglichen Handelns und Vorgehens. Ruhig an die Dinge herangehen, die Entwicklungen in aller Ruhe auf sich zukommen lassen. „Aus der Ruhe kommt die Kraft“ – das ist Ihre Devise. Sie sind fest davon überzeugt, dass sich alles zum Guten wenden wird. So Veränderungen notwendig sind, so kommen diese – oft auch von ganz alleine. Alles Sträuben und Ablehnen wird da nichts helfen. Veränderungen haben aber auch für Sie nichts Negatives an sich. Für Sie kann Veränderung immer auch Erneuerung bedeuten und ist demnach zu begrüßen. Erneuerungen abzuwenden wäre die Ablehnung der Weiterentwicklung. Das wiederum lehnen Sie ab.

Ein Haus in Hradec Husákové für die Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ ist ganz nach Ihrem Geschmack, wenngleich Sie dieses nie selbst gefordert hätten. Sie waren sich sicher, dass es dazu auch einmal von alleine kommen würde.

Ein wichtiger Beweggrund für Ihr Engagement in der Gesellschaft der deutschen Minderheit war der Erhalt des Erbes Ihres großen deutschen Vorbildes Johanna Waldštejn. Neben allen Inhalten ist es daher auch so wichtig, dass das Kulturhaus den Namen der großen deutschen Persönlichkeit trägt.

Bezüglich der Inhalte könnten Sie sich vorstellen, dass insbesondere das Leben und das Werk der großen Tochter der Stadt gewürdigt werden. Bisher ist dieses immer an der finanziell schwierigen Situation in Hradec Husákové gescheitert. Wobei Sie allerdings eher vermuten, dass die Stadtverwaltung das deutsche Erbe der Stadt nicht würdigen will – zumindest in der Vergangenheit. Erst jetzt, wo es die Stadt nichts kostet, ist der Stadtrat plötzlich interessiert an der Unterstützung der deutschen Minderheit. Das ärgert Sie!

Deshalb ist der Bau eines Gefängnisses für Sie aber keine Option, denn davon würde nur der Stadtrat, nicht jedoch die deutsche Minderheit profitieren.

Insbesondere könnten Sie sich sehr gut vorstellen, dass die Werke von Johanna Waldštejn in dem Kulturhaus zu neuem Leben erweckt werden.

Zu Beginn Ihrer nächsten Sitzung steht die Wahl einer neuen Vorsitzenden/eines neuen Vorsitzenden auf dem Programm. Die derzeitige politische Situation in der Stadt lässt jedoch ein Agieren der Gesellschaft der deutschen Minderheit ohne eine starke Führungsperson an der Spitze nicht zu. Die Herausforderungen sind gewaltig. Das anstehende Projekt eines Kulturhauses für die deutsche Minderheit ist das größte Projekt Ihrer Geschichte. Noch sind Sie sich sowohl unsicher, wie Sie dieses Projekt stemmen können. Sie sind sich auch unsicher, ob Sie nicht vielleicht auch als Vorsitzende/Vorsitzender kandidieren wollen. Der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft ist vor wenigen Wochen aus Altersgründen zu seinen Kindern in die Bundesrepublik Deutschland nach Bayreuth gezogen. Seine Kinder hatten bereits zur Zeit der ČSSR ihre Heimat verlassen.

Seit vielen Jahren ist der Vorstand ein kleiner Kreis von Vertrauten. Sie würden gerne in diesem Kreise bleiben. Die Ereignisse in Hradec Husákové und die Tatsache, dass der „Verein für deutsche Kunst“ sich plötzlich öffentlich zu Wort meldet, scheinen jedoch dieses Ansinnen erheblich zu stören.

Taktik:

Bei der Wahl einer Spitze des Vorstands der Gesellschaft „Johanna Waldštejn“ muss die Frage des Vorsitzes geklärt werden. Hier geht es Ihnen nicht unbedingt um Ihre eigene Person. Finden Sie aus Ihren Reihen eine/n gute/n (vielleicht auch) schwache/n Kandidaten/Kandidatin, mit dem Sie Ihre Ziele weiterverfolgen können und der Ihren Ansatz „In der Ruhe liegt die Kraft“ gut verwirklichen wird. Wenn es die/den nicht geben sollte, könnten Sie sich aber auch selbst eine Kandidatur vorstellen.

Johanna Waldštejn ist Ihr großes Thema und sie steht im Zentrum Ihres Interesses. Sie bewundern diese Frau und wollen ihr Erbe endlich angemessen gewürdigt sehen. In der deutschen Kulturattachée/im deutschen Kulturattaché wollen Sie insbesondere einen Verbündeten für Ihr Hausprojekt „Johanna Waldštejn“ finden. Denn immerhin geht es um die Wahrung eines deutschen kulturellen Erbes und die deutsche Sprache! Und dieses Haus muss denn auch den Namen Johanna Waldštejn tragen, das ist klar! Sie arbeiten ganz besonders gerne auch mit der Presse zusammen, die sehr interessiert ist, von Ihnen und von Johanna Waldštejn zu erfahren.

Für die anstehenden Neuwahlen zum Vorstand, die für Sie noch in weiter Ferne liegen, werden Sie selbstverständlich erneut kandidieren. Sie bemühen sich rechtzeitig, vom Vorstand insgesamt Unterstützung zu bekommen. Dafür „heulen Sie auch schon einmal mit den Wölfen“. Versuchen Sie eine gemeinsame Meinung der Mitglieder auszubilden, die Sie dann als Ihre eigene Meinung nach außen vertreten.

Sie sind offen für neue Konstellationen. Zwar ist Ihnen Ihr eigenes Mitwirken auch wichtig, aber Sie stellen Ihre eigene Rolle nicht über die Bedeutung der Gesellschaft. Neue Leute, neue Geister, neuer Wind. So etwas finden Sie spannend. Demnach gehen Sie offensiv auf Interessierte zu, die sich gerne einbringen möchten. Sie hören sich deren Argumente an und schauen, wo sich Schnittmengen mit Ihren Zielen ergeben könnten. Allerdings darf es nach Ihrer Meinung auch nicht zu turbulent zugehen. Der Blockade und Abwehr einiger anderer im Vorstand insbesondere gegenüber dem „Verein für deutsche Kunst“ widersetzen Sie sich massiv, auch wenn Ihnen das keine Freunde bringt.

Die Einbeziehung neuer Personen in den Vorstand bedeutet automatisch, dass bisherige Mitglieder den Vorstand verlassen müssen. Das ist für Sie zwar selbstverständlich, Sie sind aber auch beunruhigt, denn es könnte auch um Ihren Platz gehen.

Nutzen Sie die Möglichkeit, sich mit den Vertreterinnen und Vertretern der deutschen Botschaft in Verbindung zu setzen und bringen Sie ihm/ihr Ihre Meinung und Ihren Ärger über die Offiziellen in Hradec Husákové näher. Er/Sie soll nach Ihrer Meinung dem Stadtrat ins Gewissen reden, damit die deutschen Belange in Zukunft besser gewürdigt werden.

Rolle 6 - junge/r Lehrer/in

Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, Verband der Deutschen Gesellschaften
Rolle 6 – Die junge Lehrerin/ der junge Lehrer

Sie sind bereits seit einigen Jahren Mitglied des Vorstandes der Gesellschaft „Johanna Waldštejn“. Sie sind in der Stadt geboren und eine beliebte Lehrerin/ein beliebter Lehrer. Ihre Herkunft ist sowohl böhmisch als auch deutsch. Ihre Großmutter entschied sich nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Hradec Husákové zu bleiben. Sie musste ihre pflegebedürftige Mutter, die nicht mehr zur Flucht vor der Roten Armee in der Lage gewesen war – Ihre Urgroßmutter sozusagen – versorgen. Wenig später lernte Ihre Großmutter Ihren mährischstämmigen Großvater, ebenso ein ausgebildeter Lehrer, kennen und heiratete diesen. Sie sind ebenso wie Ihre Eltern zweisprachig aufgewachsen und fühlen sich sowohl im böhmisch-mährischen wie im deutschsprachigen Kontext sehr wohl. Als Lehrerin/Lehrer für Literatur haben Sie bereits seit Ihrem Studium eine Schwäche für die deutsche Literatur der Romantik.

Man begegnete Ihnen immer mit einem gewissen Misstrauen, da jede der beiden Gruppen, die deutsche wie die tschechische, Sie jeweils im „anderen“ Lager vermutete. Für Sie ist aufgrund Ihrer eigenen Erfahrungen das deutsch-tschechische Miteinander sehr wichtig. Eine Trennung der beiden Gruppen haben Sie auch persönlich als immer sehr schmerzhaft empfunden. Sie treten massiv für das Verbindende und nicht für das Trennende ein. Am liebsten wäre Ihnen eine gesamte Einbindung aller Fragestellungen zu einem möglichen „deutschen Kulturhaus“ in einen europäischen Kontext. Vielleicht könnte man ja sogar das Haus international ausrichten, schließlich war die edle Spenderin eine gefeierte Hollywood-Diva.

Sie wissen aber auch, wie wichtig es ist, dass Minderheiten ihre Kultur und ganz besonders ihre Muttersprache pflegen können. Auch eine Förderung der deutschen Sprache ganz gezielt auch für junge Tschechinnen und Tschechen fordern sie massiv, ist das doch die Sprache der Nachbarn. Europa als Vision gibt Ihnen hier die Impulse – denn dies ist für Sie der gemeinsame Nenner, der über den nationalen Gruppierungen und Abgrenzungen steht. Die Vielfalt der Sprachen sehen Sie als Ziel. Die Konkurrenz der einen gegen die andere finden Sie absurd – deswegen finden Sie auch so viel Freude am Europa der Mehrsprachigkeit. Außerdem erkennen Sie über die Bezugnahme auf Europa Potential, Ihr Hradec Husákové ein Stück weiter weltoffen zu machen. Sie sind zwar geografisch nicht im unmittelbaren Zentrum Europas, aber dennoch in einer der schönsten Ecken. Ein Europahaus böte die Chance, viele Leute einzuladen und Hradec Husákové auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen.

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie aber keine Option, denn dann wäre das Geld für die deutsche Minderheit verloren.

Zu Beginn Ihrer nächsten Sitzung steht die Wahl einer neuen Vorsitzenden/eines neuen Vorsitzenden auf dem Programm. Die derzeitige politische Situation in der Stadt lässt jedoch ein Agieren der Gesellschaft der deutschen Minderheit ohne eine starke Führungsperson an der Spitze nicht zu. Die Herausforderungen sind gewaltig. Das anstehende Projekt eines Kulturhauses ist das größte Projekt Ihrer Geschichte. Noch sind Sie sich unsicher, wie Sie dieses Projekt stemmen können. Der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft ist vor wenigen Wochen aus Altersgründen zu seinen Kindern in die Bundesrepublik Deutschland nach Bayreuth gezogen. Seine Kinder hatten bereits zur Zeit der ČSSR ihre Heimat verlassen.

Jedwede Neuwahlen für den gesamten Vorstand bringen ein Gefühl der Unsicherheit mit sich. Seit vielen Jahren ist der Vorstand ein kleiner Kreis von Vertrauten. Sie würden gerne in diesem Kreise bleiben. Die Ereignisse in Hradec Husákové und die Tatsache, dass sich plötzlich der „Verein für deutsche Kunst“ mit Nachdruck zu Wort meldet, scheinen jedoch dieses Ansinnen erheblich zu stören. Mit der Zeit wird Ihnen immer deutlicher, dass die Wahlen nicht nur ein bloße Formalie sein werden, sondern zu einer fundamentalen Neuordnung des Vorstandes der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ führen können.

Taktik:

Bei der anstehenden Wahl an der Spitze des Vorstands der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ muss die Frage des Vorsitzes geklärt werden. Sie stehen durchaus an erster Stelle, wenn es darum geht, sich für diese Position ins Gespräch zu bringen. Für Sie ist es wichtig, eine Person als Vorsitzende/Vorsitzenden zu haben, die sich neben den deutschen Interessen auch für das Verbindende zwischen der deutschen Minderheit und den Tschechen einsetzt.

Die Frage nach einem Kulturhaus für die deutsche Minderheit verfolgen Sie mit großem Interesse. Sie suchen die Nähe zum Stadtrat, um diese Idee zu befördern. Hier bringen Sie ganz gezielt Ihre eigene böhmisch-deutsche und mährische Herkunft väterlicherseits ins Spiel.

Hinsichtlich der Inhalte, die an das Kulturhaus gebunden werden sollen, fühlen Sie sich besonders sicher, eine feste Position beziehen zu können. Ihnen würde insbesondere ein Haus gefallen, mit dem man inhaltlich und kulturell (Sprache und Literatur) viel auf die Beine stellen könnte. So könnte Ihrer Meinung nach, beim Aufbau des Hauses eine Gemeinschaft zwischen der deutschen Minderheit und den Tschechen entstehen. Aber vor allem die jungen Menschen sollen im Zentrum stehen, das Vermächtnis von Sophie von Waldštejn spricht Ihnen geradezu aus der Seele, treffender hätte es nicht sein können.

Sie sind sich sicher, dass Ihre Position im Sinne der offiziellen deutschen Vertretung in der Tschechischen Republik ist. Mit all Ihrem Charme versuchen Sie, die Botschafterin/den Botschafter und die Kulturattachée/den Kulturattaché von Ihrer Idee eines großen Europahauses zu begeistern. Sie kennen die Finanzen der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ nur zu gut – große Sprünge kann man damit nicht machen. Das Vermächtnis ist deshalb ein wahrer Segen. Sie haben zudem gehört, dass es für Europaprojekte aus den Kassen der Bundesrepublik Deutschland immer eine Menge Geld gibt.

Für jedwede Neuwahlen zum Vorstand, die für Sie noch in weiter Ferne liegen, würden Sie selbstverständlich erneut kandidieren. Sie bemühen sich rechtzeitig, vom Vorstand insgesamt Unterstützung zu bekommen. Dafür ist es sicher wichtig, manchmal mehr deutsch als tschechisch zu erscheinen. Der Gedanken eines „Europäischen Hauses“ kommt Ihnen da sehr gelegen, denn hier spielt die Frage nach nationaler Herkunft keine Rolle mehr. Ein Zusammenwachsen und Miteinander der Kulturen, Nationen und Generationen (!) ist das Ziel. Eine Kooperation mit dem „Verein für deutsche Kunst“ ist für Sie nicht nur denkbar, sondern eigentlich wirklich eine sehr gute Idee. Sie befürworten alle Bestrebungen in diese Richtung.

Die Einbeziehung neuer Personen in den Vorstand der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ bedeutet automatisch, dass bisherige Mitglieder den Vorstand verlassen müssen. Das ist für Sie zwar selbstverständlich, Sie sind aber auch beunruhigt, denn es könnte Ihr Platz sein, wenn Sie sich mit Ihren Forderungen gleich zu deutlich nach vorne wagen. Sie müssen taktisch vorgehen und eine mögliche Zeit der Ratlosigkeit für sich aktiv nutzen!

 

Rolle 7 - Aufrücker/in

Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, Nationaler Verband der Deutschen Gesellschaften
Rolle 7 – Die Aufrückerin/der Aufrücker

Der langjährige Vorsitzende der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ ist vor wenigen Wochen aus Altersgründen zu seinen Kindern in die Bundesrepublik Deutschland nach Bayreuth gezogen. Seine Kinder hatten bereits zur Zeit der ČSSR ihre Heimat verlassen.

Sie sind das neue Mitglied im Vorstand der Gesellschaft „Johanna Waldštejn“. Als Nachrückerin/Nachrücker müssen Sie sich sehr schnell in die Abläufe der Gesellschaft einarbeiten, um sich so eine Übersicht zu verschaffen. Im Kreise der Vorstandsmitglieder sind Sie eine der jüngsten Personen. Das machen Sie immer wieder, wenn auch auf subtile Art und Weise, den anderen deutlich. Sie sind der festen Überzeugung, dass die Zukunft in Ihren Händen liegt – spätestens dann, wenn Sie fast alle anderen überlebt haben.

Sie haben großes Interesse, die Position des Vorsitzes zu übernehmen. Sie scheuen dabei nicht vor großen Versprechungen zurück. Ihre besondere Leidenschaft und auch Ihr Können liegen darin begründet, dass Sie gerne große Visionen aufzeigen. Sie sehen Ihre Aufgabe im Vorstand darin, Optionen darzulegen und die anderen zu motivieren, das umzusetzen, was möglich erscheint. Bei der sehr kleinteiligen Arbeit der Umsetzung verlässt Sie dagegen häufiger schon einmal die Lust. Sie sehen darin aber auch nicht Ihre Aufgabe.

Ihr Ziel ist es eher, an den großen Aufgaben der Gesellschaft weiter zu denken. Es gibt genug zu tun und die neuen Herausforderungen nehmen Sie ernst. Zudem müssen Sie sich als aktives Vorstandsmitglied zeigen, denn ein Großteil der Gesellschaftsmitglieder kennt Sie bis jetzt kaum oder gar nicht. Für Ihre Profilierung nach außen bietet Ihnen das vorliegende Projekt des Hauses große Chancen. Sie erkennen hier auch ein weitreichendes Entwicklungspotential. Ihre Vision ist die Schaffung eines prosperierenden Kulturhauses, das von nationaler, wenn nicht europäischer und internationaler Vorbildwirkung ist!

Je größer das geplante Objekt ist, je mehr unterschiedliche Nutzungsmöglichkeiten ein Haus hat, umso mehr Begeisterung haben Sie. Sie sind sich sicher: wenn die Möglichkeiten erst einmal geschaffen sind, werden sich immer Nutzer und Finanziers finden lassen.

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie keine Option, denn dann wäre das Geld für die deutsche Minderheit verloren.

Zu Beginn Ihrer nächsten Sitzung steht die Wahl einer neuen Vorsitzenden/eines neuen Vorsitzenden auf dem Programm – wohl wissend, dass die Neuwahlen des gesamten Vorstandes auch nicht mehr lange auf sich warten lassen. Die derzeitige politische Situation in der Stadt lässt jedoch ein Agieren der Gesellschaft ohne eine starke Führungsperson an der Spitze nicht zu. Die Herausforderungen sind gewaltig. Das anstehende Projekt eines Kulturhauses ist das größte Projekt ihrer Geschichte. Noch sind Sie sich unsicher, wie Sie dieses Projekt stemmen können. Jede Art von Neuwahlen für den gesamten Vorstand der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ bringt ein Gefühl der Unsicherheit mit sich. Die Ereignisse in Hradec Husákové und die Tatsache, dass sich der „Verein für deutsche Kunst“ plötzlich öffentlich so deutlich zu Wort meldet und dieser nicht Mitglied der Gesellschaft ist, scheinen jedoch dieses Ansinnen erheblich zu stören. Mit der Zeit wird Ihnen immer deutlicher, dass die Wahlen nicht nur ein bloße Formalie sein werden, sondern zu einer fundamentalen Neuordnung des Vorstandes führen können.

Taktik:

Bei der anstehenden Wahl an der Spitze des Vorstands der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ muss die Frage des Vorsitzes geklärt werden. Sie stehen durchaus an erster Stelle, wenn es darum geht, sich für diese Position ins Gespräch zu bringen. „Höher, schneller, weiter!“, das ist Ihre Maxime.

Die Frage nach einem Kulturhaus für die Gesellschaft verfolgen Sie mit sehr großem Interesse. Sie suchen, soweit es Ihnen möglich ist, die Nähe zu allen Akteuren, um diese Idee zu befördern. Ihre Visionen stehen hier ganz klar im Vordergrund.

Hinsichtlich der Inhalte, die an das Kulturhaus gebunden werden sollen, haben Sie eine feste Position: Alles! Und Ihr Lieblingswort ist: „Visionen“ und immer dabei an die Frauen denken.

Dennoch wissen Sie – sonst wären Sie nicht soweit in Ihrem Leben gekommen –, dass grundsätzlich erst einmal mit dem Machbaren begonnen werden muss. Aber Projekte lassen sich Ihrer Meinung nach viel besser verfolgen, wenn man ein großartiges Bild hat, von dem man träumen kann.

Sie sind sich sicher, dass Ihre Position im Sinne der gesamten deutschen Minderheit in Tschechien ist. Mit all Ihrer Energie versuchen Sie, die Botschafterin/den Botschafter und die Kulturattachée/den Kulturattaché von Ihrer Idee und Vision zu begeistern. Geld spielt hier ja erst mal keine Rolle. Gute Ideen sind gefragt, und zwar so viele wie möglich!

Sie arbeiten ganz besonders gerne auch mit der Presse zusammen, die sehr interessiert ist, von Ihnen und Ihren Visionen zu erfahren, davon sind Sie überzeugt.

Für alle Wahlen zu einem Vorstand, die für Sie noch in weiter Ferne liegen, werden Sie selbstverständlich erneut kandidieren. Sie bemühen sich rechtzeitig, vom Vorstand insgesamt Unterstützung zu bekommen. Dafür ist es sicher wichtig, immer gute Ideen zu haben.

Die Einbeziehung neuer Personen in den Vorstand bedeutet automatisch, dass bisherige Mitglieder den Vorstand verlassen müssen. Das ist für Sie zwar selbstverständlich, Sie sind aber auch beunruhigt, denn es könnte auch um Ihren Platz gehen.

Die teilweise schroff ablehnende Haltung einiger Vorstandsmitglieder gegenüber dem „Verein für deutsche Kunst“ können Sie nicht nachvollziehen. Die angeführten Gründe sind für Sie „alte Stories“, die mit der heutigen Zeit nichts zu tun haben. Sie sehen in den Mitgliedern des Vereins eher noch einen zusätzlichen „Resonanzboden“ für Ihre Visionen.

 

neu gewählter Vorsitz der Gesellschaft Johanna Waldštejn

Vertreterinnen und Vertreter der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“, Nationaler Verband der Deutschen Gesellschaften
Der/ die neugewählte Vorsitzende der Gesellschaft der deutschen Minderheit

Herzlichen Glückwunsch. Sie sind vom Vorstand zum Vorsitzenden der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ gewählt worden. Große Aufgaben liegen vor Ihnen, große Erwartungen werden in Ihre Person gesetzt.

Alle Erwartungen an Sie könnte man in dem deutschen Sprichwort zusammenfassen: „Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass!“

Es gilt zu verhindern, dass in der Stadt ein Konflikt zwischen der deutschen Minderheit und den Tschechen um die Verteilung und Verwendung des Geldes aus dem Vermächtnis entsteht. Sie müssen Vertrauen zwischen allen Menschen der Stadt schaffen und erhalten.

Keinesfalls darf nach außen auch nur der Anschein einer Vermutung entstehen, dass die Gesellschaft der deutschen Minderheit das Geld nur für ihre eigenen egoistischen Ziele verwenden möchte und Hradec Husákové davon nur am Rande profitiert – auch wenn das vielleicht nicht ganz falsch ist.

Daneben müssen Sie sehen, dass der „Verein für deutsche Kultur“ eingebunden wird, der sich in letzter Zeit mit Nachdruck und öffentlich zu Wort meldet. In erster Linie vertreten Sie natürlich die Interessen der Gesellschaft „Johanna Waldštejn“. Aber es wäre auch fatal, wenn in der Öffentlichkeit der Eindruck entstehen würde, dass die deutsche Minderheit sich in kleinlichen Streitigkeiten um Macht und Einfluss verliert. Vielleicht ist ein Zusammenschluss beider Organisationen der richtige Weg, aber sicher sind Sie sich da nicht. Sondieren Sie die Lage, auch im Gespräch mit Vertretern des Vereins, aber agieren Sie diskret.

Die Chance ist günstig, für die deutsche Minderheit ein nachhaltiges Projekt zu schaffen. Es muss ein Kompromiss bei der Auswahl des Hauses und der inhaltlichen Ausrichtung getroffen werden – alles in Abstimmung mit dem Stadtrat.

Für das Konzept der deutschen Minderheit muss eine über das Vermächtnis hinaus gehende Finanzierung geschaffen werden. Hier sind in erster Linie aus Ihrer Sicht die Stadt und die Bundesrepublik Deutschland gefragt. Sicher könnte die deutsche Minderheit sich auch – finanziell und insbesondere personell – mit einbringen. Man scheut aber die Verantwortung. Außerdem ist die von Ihnen geforderte Transparenz suspekt. Sie haben Angst, sich zu öffnen, da Sie befürchten, man könnte Ihnen Unregelmäßigkeiten oder individuelle Fehler vorwerfen.

Sie sind erfreut, dass sich eine Öffentlichkeit der deutschen Minderheit entwickelt. Allerdings sehen sie die basisdemokratischen und autonomen Bestrebungen als Gefahr für die Stellung der deutschen Gesellschaft. Nicht jede Art von Veränderung ist Ihnen lieb. Gleichwohl wissen Sie, dass der Prozess der Veränderung schon begonnen hat und sich Uhren auch nicht mehr zurückdrehen lassen.

Es darf keinesfalls eine Politik in der Stadt die Oberhand gewinnen, die die Rechte und Mitwirkungsmöglichkeiten der deutschen Minderheit, insbesondere der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ einschränken würde.

Sie wissen genau, dass Ihnen nur wenig Zeit bleibt, prägend zu wirken. Die nächsten allgemeinen Wahlen zum Vorstand stehen kurz bevor. Hier möchten Sie auf jeden Fall als führende Person des Vorstands wiedergewählt werden.

Nutzen Sie insbesondere bei Ihrer Arbeit die Kontakte zur Presse und zur deutschen Botschaft, die Ihrer Arbeit sehr offen gegenüber steht.

 

Go to top