Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien

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Rolle 9 - Provokateur/in

Vertreterinnen und Vertreter des „Vereins für deutsche Kunst“ in Hradec Husákové
Rolle 9 – Die Provokateurin/der Provokateur

Sie sind seit den 1980er Jahren Mitglied im Vorstand des „Vereins für deutsche Kunst“. Sie können auf eine lange Zeitspanne in der Geschichte des Vereins zurückblicken. Es war nicht immer einfach für den Verein, sich mit seinen Interessen gegenüber den Machthabern zu positionieren. Aber im Großen und Ganzen ist dies ganz gut gelungen, finden Sie. Zur Zeit der ČSSR war dies auch manchmal konfliktreich, auch wenn man in einigen Fragen zurückstecken musste. Doch so waren die Zeiten eben. Aber in der Zeit nach der Samtenen Revolution gab es eigentlich keine großen Auseinandersetzungen mehr, fast ein wenig langweilig …

Endlich ist wieder einmal etwas los in Hradec Husákové. Endlich einmal lässt die deutsche Minderheit nicht mehr alles mit sich machen. Endlich kommen hier Probleme zur Sprache, die seit vielen Jahren unter den Tisch gekehrt wurden.

Sie haben Ihre Kindheit in Hradec Husákové verbracht, sind als Jugendlicher zur Lehre nach Brno gegangen und waren in den späten 1970er Jahren mit einigen Unterstützern der Charta 77 lose bekannt. Sie haben den Reformwillen der Gruppe, aber auch die Repressionen gegen die Unterzeichner und die darauf folgende bleierne Stimmung in den 1980er Jahren aus eigener Anschauung erlebt. Die „neue“ Zeit der Freiheit haben Sie für sich und die deutsche Minderheit allerdings als nicht so intensiv erleben können. Sie bemerkten sehr deutlich, dass die deutsche Minderheit alleine schon mit Ihrer Existenz auf Missfallen gestoßen ist. Dieses ist für Sie bis heute in den politischen Äußerungen einiger – auch im Stadtrat – vertretener Parteien sehr deutlich spürbar.

Allerdings ist für Sie jetzt die Zeit des ruhigen Abwartens vorbei, lange genug haben Sie auch in „Ihrem“ Verein geschwiegen! Sie benennen sehr genau Missstände und scheuen sich nicht vor Maximalforderungen. Die deutsche Minderheit stellt mehr als 20 Prozent der Bevölkerung von Hradec Husákové. Zweisprachigkeit muss sich Ihrer Meinung nach deshalb durch die ganze Stadt ziehen. Es muss selbstverständlich sein, dass beide Sprachen gleichrangig nebeneinander ihre Berechtigung haben.

Leider sehen auch Sie, dass die Förderung und die Pflege der deutschen Sprache auch durch die Minderheit selbst vernachlässigt worden ist. Es ist aus Ihrer Sicht nun die letzte Chance, das Steuer noch einmal herum zu reißen.

Teure Prestigeobjekte sind für Sie mehr ein Feigenblatt als tatsächliche Zeichen einer Veränderung. Das Bewusstsein zur deutschen Minderheit zu gehören (ohne dabei allzu nationalistisch zu werden) und auch Deutsch zu sprechen, muss sehr viel deutlicher gefördert werden. Mehr Sprachkurse für Deutsch, die vielleicht ein- oder zweimal in einem Hinterzimmer eines renovierungsbedürftigen Hauses stattfinden, für das die Stadt selbst keinen Abnehmer mehr findet? Das kann nicht der Traum einer selbstbestimmten Minderheit sein.

Sie haben aus Deutschland von sogenannten Volkshochschulen gehört. In diesen Bildungsinstituten wird eine Vielzahl von unterschiedlichsten Kursen für die Bevölkerung gegen eine kleine Gebühr angeboten. Die Palette reicht von Sport-, Handwerks-, Sprach- und EDV-Kursen bis hin zu Kursen zur Ausbildung der Persönlichkeit und Lebenshilfe. Nicht zuletzt kann es auch Seminarangebote zur politischen Bildung geben. Das Angebot richtet sich nicht nur an Erwachsene, auch Kinder und Jugendliche finden ein reichhaltiges Angebot. Insbesondere werden auch Nachhilfeangebote für Kinder gemacht. Vor allem aber finden Sie die Unterstützung für junge Frauen gut, viel zu viele sind in den vergangenen Jahren ab- und ausgewandert. Da muss endlich ein Riegel vorgeschoben werden.

Das Modell eines Kulturhauses nach den Wünschen von Sophie von Waldštejn könnte etwas für Sie sein. Ein Angebot, das auch die geistige Weiterbildung der Leute fördert und bei dem auch einmal richtig nachgedacht und diskutiert wird, statt immer nur eine überkommene Tradition „tot zu pflegen“.

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie keine Option, denn dann wäre das Geld für Ihre vielen Ideen verloren.

Eigentlich ist es ja nur sinnvoll, wenn der „Verein für deutsche Kunst“ und die Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ gemeinsam auftreten und so mit einer Stimme für die Deutschen in Hradec Husákové sprechen. Sie wissen aber, dass es insbesondere in der Gesellschaft Vorbehalte gegenüber dem Verein gibt, der sich zu Zeiten der ČSSR bei den Machthabern angebiedert habe. Sind nicht aber Sie ein lebendes Gegenbeispiel? Sie gehörten doch zum weiteren Unterstützerkreis der Charta 77!

Taktik:

Es ist für Sie keinesfalls das erste Mal in Ihrem Leben, dass Sie sich öffentlich für eine Sache zu engagieren beginnen. Es ist daher für Sie auch nicht ungewohnt, Ihre Positionen in der Öffentlichkeit zu vertreten – dies insbesondere auch vor Menschen, die einer anderen Meinung sind.

Suchen Sie auch den Kontakt zur Gesellschaft „Johanna Waldštejn“. Gerade weil Sie als Unterstützerin/Unterstützer der Charta 77 als „unbelastet“ gelten können, sind Sie nach Ihrer Meinung die richtige Person dafür. Werben Sie für ein gemeinsames Auftreten und loten Sie die Chancen für einen Zusammenschluss aus. Ein solcher Zusammenschluss kann aber nur auf Augenhöhe geschehen. Sie sind kein Juniorpartner einer anderen Organisation. Ihr Verein hat die längere Tradition und den grundsätzlichen Anspruch die Minderheit zu vertreten. Seien Sie aber zunächst vorsichtig mit Ihren Äußerungen

Nach und nach gewinnen Sie als Akteur der deutschen Minderheit deutlich an Format. Sie finden großes Gefallen daran, in der Öffentlichkeit zu stehen. Sie arbeiten ganz besonders gerne auch mit der Presse zusammen, die sehr interessiert ist, von Ihnen und der gesamten Bewegung zu erfahren.

Sie provozieren gerne und wollen gerade auf diesem Weg auf Missstände aufmerksam machen. Sie haben bewusst eine Zeit erlebt, in der es nur unter sehr schwierigen Umständen möglich war, seine Meinung zu vertreten und diese auch durchzusetzen. Die Menschen sollen wieder entdecken, was Freiheit ist und wie wichtig es ist, für ihre/seine Rechte einzutreten. Ebenso fordern Sie wahrhafte Demokratie und Teilhabe für die deutsche Minderheit.

Sprache ist wichtig, aber noch viel wichtiger ist es, was man mit dieser Sprache sagt. Sie möchten – frei von staatlicher Regulierung – Menschen motivieren selbständig zu denken und ohne dauernde Angst vor Repression frei zu sprechen.

In letzter Konsequenz sind Sie natürlich auch für ein Kulturhaus. Bei der Bestimmung eines Konzeptes zu dem jetzigen Zeitpunkt tun Sie sich sehr schwer. Ihrer Ansicht nach sollten die Menschen, die dort später arbeiten und vielleicht auch leben wollen, selbst entscheiden dürfen, was sie mit dem Haus machen. Vielleicht wollen sie es bunt anstreichen, laute Musik machen oder dort ihre Kinder (neben der Schule) erziehen. Das Angebot einer Volkshochschule würde momentan die Möglichkeiten noch sehr vage und offen halten. Sprechen Sie schon einmal mit den Vertreterinnen und Vertreter der deutschen Botschaft darüber, dass Sie sich diesen „Ideen-Import“ aus Deutschland vorstellen könnten.

Und vergessen Sie nicht, Sie wollten etwas nicht nur für die Mitglieder der deutschen Minderheit und sondern auch für alle Bürgerinnen und Bürger in Hradec Husákové erreichen.

Sie müssen aber aufpassen, dass Ihre gezielten Provokationen nicht in ein Gegenteil umschlagen und letztendlich die günstige Stimmung in Richtung deutsche Minderheit dadurch gefährden.

Ganz offen sprechen Sie die Frage an, ob Ihr Verein in dieser besonderen und schwierigen Situation nicht eine neue Vorsitzende/einen neuen Vorsitzenden benötigt, die/der nicht so konfliktscheu ist wie bisher.

 

Rolle 10 - Kassenwart/in

Vertreterinnen und Vertreter des „Vereins für deutsche Kunst“ in Hradec Husákové
Rolle 10 – Die Kassenwartin /der Kassenwart

Sie sind seit den 1990er Jahren Mitglied im „Verein für deutsche Kunst“, seit einigen Jahren auch im Vorstand aktiv. Zu Zeiten der ČSSR wollten Sie dem Verein nicht beitreten, da er Ihnen als zu nah an den Machthabern erschien. Aber nach der Samtenen Revolution haben Sie sich von einem guten Freund, der mittlerweile leider verstorben ist, doch überzeugen lassen. Kunst und Kultur sind für Sie außerdem sehr wichtig und darum gefällt Ihnen die Ausrichtung des Vereins eigentlich ganz gut.

Sie kümmern sich im Vorstand als Kassierer um das zugegebenermaßen sehr kleine Budget des Vereins. Viel können Sie damit nicht umsetzen, aber für kulturelle Veranstaltungen braucht man oft neben dem guten Willen auch nicht viel Geld. Natürlich freuen Sie sich aber sehr über den Geldsegen, der nun womöglich ins Haus steht. Wobei Ihnen aber noch ziemlich unklar ist, an wen das Geld eigentlich fließen soll, den Verein oder die Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“? Ein bisschen graut Ihnen auch vor der Riesensumme, denn mit so viel Geld hatten Sie noch nie zu tun.

Ihnen gehört seit vielen Jahren der kleine Buchladen in der neu durch EU-Fördergelder ge­stal­teten Fußgängerzone von Hradec Husákové. Schon im Jahre 1990 haben Sie die Chance genutzt, Ihren Traum aus der Jugendzeit wahr werden zu lassen. Leider hatten Sie in der sozialistischen ČSSR keine Chance gehabt, Literatur und Sprachen zu studieren. Erst mit Ende zwanzig konnten Sie sich ganz der Welt der Literatur in Ihrer ganz eigenen Umgebung zuwenden. Die Nachfrage nach gehobener Literatur in Hradec Husákové ist aber eher als zurückhaltend einzustufen. Einfach geschriebene populäre Belletristik tschechischer Autorinnen und Autoren sowie Bildbände aus der Region für Touristinnen und Touristen werden sehr viel häufiger nachgefragt. Sie suchen insbesondere Anziehungspunkte, dass mehr Touristinnen und Touristen und insbesondere mehr deutschsprachige Gäste in die Stadt kommen und diese ganz besonders das Ladenangebot mit einer „deutschen Ecke“ nutzen. Sie wissen hierbei aber auch um die Angst anderer Bürgerinnen und Bürger, dass Hradec Husákové „noch“ deutscher wird.

Sie sind zu der Überzeugung gekommen, dass die Einrichtung einer – zuerst kleinen – deutschsprachigen Bibliothek das Interesse an Literatur wecken kann und sich in einem zweiten Schritt auch sehr vorteilhaft auf die Existenz Ihres Buchladens auswirken kann.

Deswegen treten Sie sehr engagiert für die Einrichtung einer deutschsprachigen Bibliothek ein. Die ersten 50 Bände würden Sie auch stiften wollen, vielleicht kann man da auch mit der deutschen und der österreichischen Botschaft sprechen. Mit einem Kulturhaus für die deutsche Minderheit könnte Ihrer Meinung nach auch das Projekt einer deutschen Bibliothek verwirklicht werden. Kritiker werfen Ihnen vor, dass das Projekt unnötig sei, denn es spricht nur noch ein Teil der deutschen Minderheit überhaupt noch die deutsche Sprache, vor allem die Älteren. Dieser Kritik treten Sie sehr vehement entgegen – eine Bibliothek kann auch in hervorragender Weise das Lernen der deutschen Sprache unterstützen. Sie selbst sehen sich allerdings nicht in der Lage, die deutsche Sprache in Ihrer Freizeit als Zusatzangebot zu unterrichten. Da kommt das Vermächtnis von Sophie von Waldštejn geradezu wie gerufen. Sie denken Sie sich: Sofort mit dem zur Verfügung stehenden Geld auch Sprachlehrer aus Deutschland einladen!

Sie möchten gerne, dass die Stadt Hradec Husákové mit ihrem deutschen Erbe und den deutschen Möglichkeiten auftritt, ja Werbung macht, und endlich zeigt, was sie zu bieten hat. Da könnte man ja vielleicht auch mit der Hana Deutschmannová wuchern. Schließlich war sie weltbekannt. Gut, sie hat eigentlich nie öffentlich Deutsch gesprochen. Aber sie war letztendlich eine Deutsche, das sollte man herausstellen, finden Sie.

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie keine Option, denn dann wäre das Geld für die deutsche Minderheit verloren. Allerdings fragen Sie sich auch, warum ausgerechnet Frauen durch das Vermächtnis bevorzugt werden sollen.

Der „Verein für deutsche Kunst“ hat in den Augen der Öffentlichkeit bisher eher ein Schattendasein geführt. Jetzt, wo die deutsche Minderheit aber ein so großes Projekt vor Augen hat, werden alle Kräfte gebraucht. Und Sie müssen sich nicht verstecken, denn Kunst und Kultur sind die Basis von allem! Bringen Sie sich ein, wo Sie gebraucht werden. In erster Linie wollen Sie aber Ihrem Verein dienen. Sie sind sichtlich gekränkt und auch ein bisschen nachtragend, dass die Gesellschaft der deutschen Minderheit den Namen „Johanna Waldštejn“ für sich alleine beansprucht. Das hat die große Künstlerin nicht verdient. Ebenso sehen Sie es sehr kritisch, dass die Gesellschaft der deutschen Minderheit sich selbstverständlich als Empfänger des Vermächtnisses in der Öffentlichkeit darstellt.

Taktik:

Es ist für Sie das erste Mal in Ihrem Leben, dass Sie sich öffentlich für eine Sache zu engagieren beginnen. Es ist daher für Sie noch etwas ungewohnt, Ihre Positionen in der Öffentlichkeit deutlich zu vertreten, insbesondere auch vor Menschen, die anderer Meinung sind. Aber Sie meinen hierfür Potential bei sich zu erkennen und vor allem auch Freude. Für Sie fließen hier private und öffentliche Interessen zusammen. Einmal nicht nur lesen über spannende Ereignisse, nein teilzunehmen oder gar mitten drin zu sein! Das klingt für Sie spannend. Ihre Unsicherheit verfliegt zusehends. Auch stellt sich heraus, dass Sie viele Leute kennen, mehr als Sie dachten. Das hilft Ihnen sehr bei Ihren Aktivitäten.

Nach und nach gewinnen Sie deutlich an Form und Sie finden großen Gefallen daran, in der Öffentlichkeit zu stehen und arbeiten ganz besonders gerne auch mit der Presse zusammen, die sehr interessiert ist, von Ihnen und Ihrem Verein zu erfahren.

Sie wissen, dass es nicht einfach ist, sich für Sachen einzusetzen, die einen gewissen Anspruch haben und ein Interesse an Kunst und Kultur voraussetzen. Sie haben nichts zu verlieren. Sie müssen offensiv handeln. Hinsichtlich der Auswahl eines Hauses, wäre für Sie eine zentrale Lage, nahe Ihres Geschäfts in der Innenstadt sehr wünschenswert. Nur so können Sie garantieren, dass Sie sich ab und an auch in die Gestaltung und den täglichen Unterhalt des Kulturhauses einbringen könnten. Eine Konkurrenz durch das Kulturhaus für Ihr Geschäft sehen Sie nicht.

Gehen Sie deutlich mit Ihren Wünschen und Ideen auf andere Menschen zu, von denen Sie sicher sind, dass diese sich auch für die deutsche Sache einsetzen. Versuchen Sie als Gewerbetreibende/Gewerbetreibender am Ort die Politik auf Ihre Seite zu bekommen.

Hinter vorgehaltener Hand sehen Sie die Aktivitäten der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ allerdings mehr als kritisch. Eine nachhaltige Sprachförderung haben Sie noch nie feststellen können. Dabei wäre doch die so wichtig. Und auch Kunst, zumindest anspruchsvolle, dürfte nicht vernachlässigt werden.

Sie stehen für politische Erneuerung, auch auf diesem Gebiet. Bei der nächsten Wahl für den Vorstand der Gesellschaft der deutschen Minderheit könnten auch Sie kandidieren. Ob Sie das wirklich wollen, das steht noch nicht fest für Sie.

Rolle 11 - Deutschlehrer/in

Vertreterinnen und Vertreter des „Vereins für deutsche Kunst“ in Hradec Husákové
Rolle 11 – Die Deutschlehrerin/der Deutschlehrer

Sie sind seit Mitte der 1980er Jahre Mitglied im Vorstand des „Vereins für deutsche Kunst“. Sie haben sich bereits in den 1980er Jahren für die deutsche Kunst und Kultur eingesetzt, dabei erachten Sie insbesondere die deutsche Sprache als schützenswert. Davon waren Sie immer überzeugt und deswegen haben Sie auch den Beruf als Deutschlehrerin/Deutschlehrer ergriffen. Ein Beruf aus tiefster Überzeugung, könnte man sagen. Die Zeit Ihres Studiums der deutschen Sprache und Literatur in der DDR (Leipzig) in den späten 1970er Jahren haben Sie sehr genossen. Die Erinnerungen an die schöne und unbeschwerte Zeit in der DDR prägen noch sehr. Die Nähe Leipzigs zu der deutschen Romantik in Weimar war Ihnen sehr wichtig. Noch aus dieser Zeit besitzen Sie eine Vielzahl von Büchern, die Mehrzahl sogar doppelt.

Die Kritik am Verein, dass dieser zu nah am damaligen Regime gewesen sein soll, können Sie insbesondere vor dem Hintergrund der eigenen Biografie nicht nachvollziehen. Sie hatten in der ČSSR nichts auszustehen und durften selbst in der DDR studieren. Und so ging es allen, die keine überzogenen Forderungen gestellt haben. Das ist sicherlich auch der Grund, warum Sie schon so lange im Vorstand des Vereins mitwirken können. Um Erfolge zu erzielen, muss man eben langfristig denken, Aktionismus bringt gar nichts!

Sie unterrichten seit vielen Jahren Deutsch in zwei Gymnasien in Hradec Husákové.

Sie hoffen vor allem auch auf mehr Unterstützung für die deutsche Sprache von allen Seiten. Diese Erwartungshaltung haben Sie sehr deutlich. Ein aktiveres deutsches Kulturleben könnte auch auf die Popularität der deutschen Sprache insgesamt wirken. Kino, Musik oder auch Theater in deutscher Sprache machen auch Deutschlernen wieder attraktiver, davon sind Sie ganz überzeugt. Nicht zuletzt würde dieses ja auch Ihr ganz persönliches Arbeitsfeld positiv betreffen.

Aber es geht Ihnen zu allererst um die deutsche Sprache als Sprache der Kunst an sich. Ursprünglich haben Sie diese noch von den Eltern gelernt, Sie selber indes sind leider kinderlos geblieben und geben nun Ihre Kenntnisse vor allem an ihre Schulkinder weiter. Eine Vielzahl von unterschiedlichen Kunst- und Kulturveranstaltungen in deutscher Sprache könnte ein idealer Motivationsgrund für ihre Lernenden sein. Auch könnten diese dort Ihre Fremdsprachenkenntnisse anwenden, wenn vielleicht auch einmal Veranstaltungen in anderen Sprachen stattfinden. Sie unterstützen deswegen, weiter denkend und nicht ohne Eigennutz, alle dahingehenden Aktivitäten mit Nachdruck.

In Gedanken habe Sie schon Pläne für eine großes „Festival der deutschen Sprache – Johanna Waldstein“ in der Tasche, allerdings unter dem Dach des „Vereins für deutsche Kunst“! Bislang haben Sie sich aber nicht getraut auf Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger zuzugehen.

Damit Ihre Pläne auch in Erfüllung gehen können, können Sie sich nur ein großes zentrales Gelände für ein Kulturhaus der deutschen Minderheit vorstellen. Darin sehen Sie vor Ihrem geistigen Auge bereits Kurse stattfinden. Aber da muss eben auch das Ambiente stimmen. Nicht zuletzt könnte dort auch das Büro für die Leitung des Festivals untergebracht werden – mit Ihnen als Leitung! Endlich käme die deutsche Kunst, für die sich der Verein schon so lange einsetzt, richtig zur Geltung.

Der „Verein für deutsche Kunst“ hat in den Augen der Öffentlichkeit bisher eher ein Schattendasein geführt. Jetzt, wo die deutsche Minderheit aber ein so großes Projekt vor Augen hat, werden alle Kräfte gebraucht. Und Sie müssen sich nicht verstecken, denn Kunst und Kultur sind die Basis von allem! Bringen Sie sich ein, wo Sie gebraucht werden.

Taktik:

Es ist für Sie das erste Mal in Ihrem Leben, dass Sie sich so öffentlich für eine Sache zu engagieren beginnen. Allerdings stimmt das auch nicht ganz – in Ihrer Schule haben Sie große Veranstaltungen organisiert. Auch da sind Sie vor großem Publikum aufgetreten. Jetzt ist es Zeit für Ihre große Idee!

Nach und nach gewinnen Sie aber deutlich an Form und Sie finden großen Gefallen daran in der Öffentlichkeit zu stehen. Sie arbeiten nun ganz besonders gerne auch mit der Presse zusammen, die sehr interessiert ist, von Ihnen und Ihrem Verein zu erfahren.

Für Sie ist es wichtig, dass Kultur und Sprache der deutschen Minderheit gepflegt wird. Die Leute sehen mit Bewunderung und Erstaunen, wie gut Ihre Schüler sich schon nach zwei Jahren Deutschunterricht verständigen können. Wichtig sind das Ziel und die Methode. Für beides setzen Sie sich ein!

Ihnen geht es aber um mehr. Ihre Heimat Hradec Husákové soll ganz groß herauskommen. Nicht kleckern, sondern klotzen, heißt die Devise. Je länger Sie sich mit dem Thema beschäftigen, umso größer werden Ihre Pläne. Alleine können Sie Ihre geplanten Projekte aber nicht stemmen. Suchen Sie sich rechtzeitig Mitstreiterinnen und Mitstreiter, die sich ebenso große Projekte für die deutsche Minderheit vorstellen wollen. Vergessen Sie aber nicht, dass Sie auch finanzielle Zusagen brauchen. Neben der Stadt und der Botschaft könnte vielleicht auch die Kirche einspringen. Vergessen Sie auch nicht die Frauenministerin. Endlich interessiert sich aus dem fernen Prag einmal jemand für Ihr kleines Städtchen und das soll auch noch lange so bleiben.

Gehen Sie daher deutlich mit Ihren Wünschen und Ideen auf andere Menschen zu, von denen Sie sicher sind, dass diese sich ebenfalls für die deutsche Sache einsetzen.

Allerdings muss beachtet werden, dass diese zweite Idee im Vermächtnis von Sophie von Waldštejn, die Sache mit dem Gefängnis, auf jeden Fall verhindert wird. Da dreht sich einem ja der Magen um…

Werden sie also ganz vorsichtig tätig und nutzen Sie ganz besonders die informellen Wege. Treten Sie rechtzeitig mit den Vertreterinnen und Vertretern der Deutschen Botschaft aus Prag in einen direkten Kontakt. Gerade diese Herrschaften sollten ein verstärktes Interesse an Ihren Ideen haben.

Hinter vorgehaltener Hand sehen Sie die Aktivitäten der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ allerdings in Sachen Sprache als unzureichend an. Sie stehen für politische Erneuerung – auch auf diesem Gebiet. Bei der nächsten Wahl für die Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ könnten auch Sie kandidieren. Ob Sie das wirklich wollen, das steht noch nicht fest für Sie. Sie lassen die Idee in sich reifen.

Sie haben mitbekommen, dass einige Mitglieder des Vereins sich fragen, ob Ihr Verein in dieser besonderen und schwierigen Situation nicht eine neue Vorsitzende/einen neuen Vorsitzenden benötigt. Sie würden das Thema nicht selbst ansprechen, aber wenn die anderen in der Mehrheit sind, schlagen Sie sich auf deren Seite.

Rolle 12 - Frührentner/in

Vertreterinnen und Vertreter des „Vereins für deutsche Kunst“ in Hradec Husákové
Rolle 12 – Die Frührentnerin/der Frührentner

Sie sind relativ neu im Vorstand des „Vereins für deutsche Kunst“, was auch damit zusammenhängt, dass Sie lange nicht im Land gelebt haben. Bevor Sie die ČSSR verlassen haben, waren Sie aber auch schon Vereinsmitglied und sind auch nie ausgetreten, denn Sie fühlten sich den Deutschen in Ihrer Heimatstadt immer verbunden.

Sie sind jung geblieben, mussten aus gesundheitlichen Gründen recht früh Ihren Beruf aufgeben. Fast Ihre ganze Familie befindet sich im Westen. Sie haben selbst lange im Ausland gelebt und haben sich nun auf das Land zurückgezogen. Von Ihrer Erwerbsunfähigkeitspension, die Sie jeden Monat aus Österreich bekommen, können Sie alleine sehr gut leben. Sie stecken voller Tatendrang. Sie wollen die Region auch wieder attraktiv machen und mit modernen Mitteln erschließen. Sie glauben aber nicht, dass Natur und Wanderungen sowie Agrotourismus der richtige Weg sind. Ihr Standpunkt geht eher in die Richtung des sich Engagierens im Rahmen von kulturellen Veranstaltungen. Aber auch in Richtung Trendsport-Events. Sie selbst haben in jüngeren Jahren Vieles in diesem Bereich organisiert.

Ein Grund für Ihre Rückkehr in die Stadt Ihrer Kindheit ist, dass es viel zu tun gibt. Sie haben oft genug gesehen, wie man andernorts kleine Städte mit Leben erfüllt. Das soll auch in Ihrem Hradec Husákové passieren. Hradec Husákové soll ein Ort werden, der wieder viel zu bieten hat. Insbesondere soll er interessant werden für Menschen der deutschen Minderheit aus anderen Orten. Ganz offensiv sprechen Sie auch aus, dass es Ihnen um die Ansiedlung von Mitgliedern der deutschen Minderheit aus dem Umland geht. Nur mit einer starken und präsenten deutschen Minderheit lässt sich Politik machen.

Ein Kunsthaus mit vielerlei Ambitionen ist hier etwas, was zu Ihren eigenen Vorstellungen genau passt. Einbindung vieler – vor allem generationenübergreifend – denn Sie selbst sind ja auch nicht mehr unter den Jüngsten. Wobei Sie verstärkt an die jüngere Generation denken.

Sie verbinden mit deutscher Kunst sehr viel mehr als nur Sprache und Literatur – „Deutschsein“ ist für Sie eine Lebenseinstellung. Unabhängig davon, ob man die Sprache sprechen kann oder auch nicht. Diese Lebenseinstellung muss gefördert werden, allerdings sehen Sie nicht, dass dieses auf Kosten der tschechischen Nachbarn geschehen muss. Sie vermissen den „gesunden Patriotismus“ der deutschen Minderheit: Wo bleibt der „Stolz“ der deutschen Minderheit eigentlich? Sie neigen dazu, diese Frage immer häufiger in der Öffentlichkeit zu stellen – auch dann, wenn es gerade nicht passt.

Das Erbe der deutschen Minderheit ist für Sie nicht zu vernachlässigen. Daher plädieren Sie lautstark für ein kleines Museum, das einem möglichen Kulturhaus beigefügt werden sollte. Dieses Museum soll darüber Auskunft geben, wie lange bereits Deutsche in Hradec Husákové gelebt haben und was Sie alles geschaffen haben. Ein wichtiger Bereich ist für Sie dabei aber auch das deutsch-tschechische Miteinander. Sie würden sich anbieten wollen, dieses Museum inhaltlich zu gestalten und dafür auch verantwortlich zu sein. Diese Idee haben Sie auch schon häufiger im Vorstand besprochen, allerdings ist das Budget des Vereins dafür viel zu klein – bis jetzt.

Der Bau eines Gefängnisses ist für Sie keine Option, denn dann wäre das Geld für die deutsche Minderheit verloren.

Der „Verein für deutsche Kunst“ hat in den Augen der Öffentlichkeit bisher eher ein Schattendasein geführt. Jetzt, wo die deutsche Minderheit aber ein so großes Projekt vor Augen hat, werden alle Kräfte gebraucht. Und Sie müssen sich nicht verstecken, denn Kunst und Kultur sind die Basis von allem! Bringen Sie sich ein, wo Sie gebraucht werden.

Taktik:

Es ist für Sie das erste Mal in Ihrem Leben, dass Sie sich so öffentlich für eine Sache zu engagieren beginnen. Es ist daher für Sie noch etwas ungewohnt, Ihre Positionen in der Öffentlichkeit deutlich zu vertreten, insbesondere auch vor Menschen, die anderer Meinung sind. Bislang waren es in Ihrem Leben Dinge wie Sportvereine, für die Sie sich engagiert haben. Aber diesmal sehen Sie sich noch auf einer anderen Ebene herausgefordert. Es soll etwas sein für die Allgemeinheit. Und das bringt eigentlich Ihr bisheriges Interesse noch einmal besonders auf den Punkt. Außerdem haben Sie genug Zeit, sich aktiv einzubringen, mehr als genug. Deswegen fassen Sie den Entschluss, hier nun Ihre ganze Zeit zu investieren. Zudem ist dies für Sie auch eine Möglichkeit nach den Jahrzehnten der Abwesenheit wieder aktiv zu werden. Und in Hradec Husákové in Erscheinung zu treten!

Es ist aber auch für Hradec Husákové und alle seine Einwohnerinnen und Einwohner das erste Mal der Fall, dass Bürgerinnen und Bürger der deutschen Minderheit in der Öffentlichkeit sehr sichtbar werden und Forderungen einklagen.

Nach und nach gewinnen Sie aber deutlich an Form und sie finden großes Gefallen daran in der Öffentlichkeit zu stehen. Sie arbeiten nun ganz besonders gerne auch mit der Presse zusammen, die sehr interessiert ist, von Ihnen und Ihrem Verein zu erfahren.

Ihre Positionen sind sehr fordernd und sicherlich nicht ganz konfliktfrei umzusetzen. Die Forderung nach einer größeren Präsenz der deutschen Minderheit wird sicher sehr kontrovers diskutiert werden. Für Sie ist aber klar, dass die deutsche Minderheit nur überleben kann, wenn Sie Kräfte sammelt und sich auf einzelne Orte konzentriert: „Zwei Deutsche hier, zwei Deutsche da – so kann man nicht Forderungen durchsetzen!“

Auch Ihre Sichtweise, dass der deutschen Minderheit ein gesundes Maß an Patriotismus fehle, wird sicher nicht widerspruchslos hingenommen werden. Ebenso ist die Debatte um ein Museum, um ein „Gedächtnis“ der deutschen Minderheit, für sie unabdingbar. Es müssen die Wurzeln und die Erinnerung an das, was damals einmal war, für die nachfolgenden Generationen erhalten werden. Die Familien aller Mitglieder im Stadtrat hingegen sind, so denken Sie, erst nach 1945 in Ihre Heimat gekommen. Wie soll sich darauf eine Tradition gründen?

Es kann dabei aber nicht immer nur um Johanna Waldštejn gehen. Die deutsche Geschichte von Hradec Husákové hat viel mehr zu bieten als nur deren literarischen Werke. Sie ist zweifelsohne eine große Identifikationsfigur, insbesondere für die Mitglieder der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“. Aber in den Augen der nicht-deutschen tschechischen Öffentlichkeit erscheint sie Ihnen doch etwas zu präsent. Sie haben gehört, dass auch noch das Kulturhaus ihren Namen tragen soll. Da sind Sie ganz anderer Meinung!

Gehen Sie deutlich mit Ihren Wünschen und Ideen auf andere Menschen zu, von denen Sie sich sicher sind, dass diese sich für die deutsche Sache einsetzen. Versuchen Sie insbesondere die Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ für Ihre Ideen zu begeistern, man sollte doch zusammenarbeiten. Insbesondere dann, wenn es um die Kunst geht. Ebenso versuchen Sie als Bürgerin/Bürger der Stadt am Ort die Politik auf Ihre Seite zu bekommen. Insbesondere auch die Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland sollten Ihr Interesse unterstützen.

Machen Sie insbesondere gegenüber der Presse ausgiebig Werbung für Ihre Ideen. Versuchen Sie, die anderen mit Ihrem Schwung mitzureißen.

Wenn es darum geht, in der ersten Reihe zu stehen, dann sagen Sie nicht nein. Sie haben nichts zu verlieren. Und wenn alles schief gehen sollte, dann können Sie immer noch zurück nach Deutschland oder Österreich.

 

Rolle 13 - Student/in

Vertreterinnen und Vertreter des „Vereins für deutsche Kunst“ in Hradec Husákové
Rolle 13 – Die Studentin/der Student

Sie sind erst seit wenigen Monaten Mitglied im Vorstand des „Vereins für deutsche Kunst“, Vereinsmitglied sind Sie aber quasi von Geburt an. Auch Ihre Eltern sind Mitglieder im Verein und haben Ihnen die Mitgliedschaft quasi vererbt.

Sie stammen aus einer alten deutschsprachigen Familie in Hradec Husákové und sind zweisprachig aufgewachsen. Sie haben einige Jahre im Ausland studiert, zuletzt als Erasmusstudent in Brüssel. Aus dieser multikulturellen Stadt bringen Sie eine Reihe neuer Gedanken mit. Insbesondere Musik inspiriert Sie. Bei einem Konzert, das der „Verein für deutsche Kunst“ organisiert hat, sind Sie eingeladen worden mitzumachen. Und eigentlich finden Sie es ganz ok, wenn Sie auch das allerjüngste Vereinsmitglied sind. Sie sind noch immer etwas ungläubig, dass Sie es in Ihren jungen Jahren schon in den Vorstand geschafft haben. Aber entkräftet das nicht auch die Kritik, dass der Verein überaltert und verschlafen sein soll? Das sind Sie wahrhaft nicht!

Die Idee eines Kulturhauses finden Sie extrem spannend. Sie vermissen schon lange einen echten coolen Veranstaltungsort, in dem man etwas auf die Beine stellen kann. Ihr ganz besonderes Interesse geht vor allem in die Richtung der abstrakten Kunst und neuer Strömungen. Man versteht Sie jedoch nur wenig, denn bislang konnten die Menschen in Ihrem Umfeld nicht so recht nachvollziehen, was Sie eigentlich wollen.

Außerdem sind Sie in Ihrem sicheren, großstädtischen und internationalen Auftreten den Menschen in Hradec Husákové fremd geworden. Ihre persönlichen Kontakte zu den lokalen Gleichaltrigen haben durch die lange Zeit der Abwesenheit und Ihren wenig an gängigen Moralvorstellungen gebundenen Lebenswandel gelitten. Ungeachtet dessen, dass man Ihre Ideen für abstrus hält, engagieren Sie sich. Für Sie steht das Ziel eines europäischen Kulturhauses für Hradec Husákové im Zentrum.

Sie haben selbst kennengelernt, wie wichtig es heute ist, Sprachen zu beherrschen – in Europa und auf der ganzen Welt. Dabei haben Sie feststellen müssen, dass Deutsch nur ein wenig hilfreicher ist als Tschechisch, um sich in der großen weiten Welt verständlich zu machen.

Sie halten nichts von einem überkommenen Nationalismus. Weder das monotone Hervorkehren der ruhmreichen böhmisch-mährischen Geschichte noch das Wiedererstarken des deutschen Selbstbewusstseins ist für Sie erträglich. Sie wünschten, dass sehr viel mehr Menschen aus ganz Europa nach Hradec Husákové kämen. Denn wie sehr vermissen Sie Ihren türkischen Gemüsehändler, die libanesischen Restaurants und die unkomplizierte Lebensweise und sexuelle Freizügigkeit des Westens. Sie haben das Gefühl, dass Ausländerfeindlichkeit das ist, was die Tschechen und die deutsche Minderheit am meisten eint. Das ist für Sie unerträglich!

Sie haben schon oft mit dem Gedanken gespielt, Hradec Husákové den Rücken zu kehren. Doch davon würde auch nichts besser werden. Also sehen Sie Ihre einzige Möglichkeit zu Veränderung darin, sich zu engagieren. Sie handeln nach der Devise: „Träume nicht Dein Leben, sondern lebe Deinen Traum!“ – Hradec Husákové muss sich öffnen, zu einer liberalen Stadt mit lebendiger europäischer Kultur werden. Dazu kann ein europäisches Haus sicher einen entscheidenden Beitrag leisten.

Sie hatten bis jetzt noch nie etwas von Hana Deutschmannová gehört, aber bei Ihren Eltern haben Sie einige ihrer Filme gefunden. Eigentlich ziemlich cool, die Alte, finden Sie. Vielleicht kann man ja auch ihre Lebensgeschichte irgendwie aufnehmen in das Projekt.

Der „Verein für deutsche Kunst“ hat in den Augen der Öffentlichkeit bisher eher ein Schattendasein geführt. Jetzt, wo die deutsche Minderheit aber ein so großes Projekt vor Augen hat, werden alle Kräfte gebraucht. Und Sie müssen sich nicht verstecken, denn Kunst und Kultur sind die Basis von allem! Bringen Sie sich ein, wo Sie gebraucht werden.

Schon früh haben Sie die Diskussion um das Geld satt. Soll doch ein Gefängnis gebaut werden, da können alles Mitglieder des Stadtrats gleich rein. Dieses Hick-Hack geht Ihnen auf die Nerven. Es geht für Sie um Ideen, Kreativität und Freiheit. Vieles lässt sich ohne Geld und dafür mit gutem Willen und Intuition erreichen.

Taktik:

Es ist für Sie das erste Mal in Ihrem Leben, dass Sie sich für eine so große Sache zu engagieren beginnen. Ihre Erfahrungen und Erlebnisse aus den Jahren des Studiums außerhalb Tschechiens haben sie zu einer Überzeugung gebracht: Alles ist möglich. Man muss es nur wollen. So gehen Sie nun auch vor. Unermüdlich und unverdrossen. Kein Weg scheint Ihnen zu weit. Auch wenn man Sie anfeindet und Ihnen keinen Glauben schenken will. Das ist Ihnen komplett egal. Sie sind getragen von dem Geist, etwas verändern zu wollen. Dazu sprechen Sie gerade mit den Jüngeren aus Hradec Husákové, nicht nur jenen aus der deutschen Minderheit. Auch für alle anderen Minderheiten wären Sie offen. „Je bunter, je wilder, je besser“ lautet Ihre Devise.

Wichtig ist es für Sie, dass man offen ist für neue Ideen. Diese Ideen dürfen auch nicht mit den Kategorien deutsch oder tschechisch belegt sein. Sie lieben das Sprichwort: „Der Kopf ist rund, damit man seine Gedanken darin kreisen lassen kann!“

Sie stehen für einen modernen und offenen Lebenswandel – freie Gedanken brauchen freie Liebe! Davon sind sie überzeugt. Das macht Sie nicht zum ersten Ansprechpartner für Kirche. Lassen Sie dennoch den Pfarrer nicht außen vor, der hat manchmal auch ganz gute Einfälle. Sie wissen zudem, dass sich nachhaltig nur Sachen verändern können, wenn man die Politik mit auf seiner Seite hat. Versuchen Sie daher bei den politischen Parteien Unterstützung für Ihre europäischen Pläne zu schaffen.

Gehen Sie deutlich mit Ihren Wünschen und Ideen auf andere Menschen zu, von denen Sie sich sicher sind, dass diese sich für die „deutsche Sache“ einsetzen. Versuchen Sie insbesondere die Gesellschaft der deutschen Minderheit für Ihre Ideen zu begeistern. Ebenso versuchen Sie als weitgereister Mensch die Personen auf Ihre Seite zu bekommen, die ebenso wie Sie viel von der Welt gesehen haben. Gehen Sie offen auf die deutsche Botschafterin/den deutschen Botschafter und die deutsche Kulturattachée/den deutschen Kulturattaché zu.

Sie selbst könnten sich vielleicht auch vorstellen, für den Vorstand der Gesellschaft der deutschen Minderheit „Johanna Waldštejn“ zu kandidieren. Versuchen Sie aber vorher genau abzuschätzen, ob Sie überhaupt eine Chance haben, gewählt zu werden. Sie haben keine Lust, sich hier die Finger zu verbrennen und das Feld als Verlierer zu verlassen.

Wichtig für Sie ist deswegen die Einbindung aller. Deswegen versuchen Sie auch mit allen Kontakt aufzunehmen und Allianzen zu überlegen. Wenn die Leute noch zu wenig Verständnis für Kunst haben, dann kommt es noch. Als bestes Beispiel wollen Sie bereits erste Projekte für so ein potentielles Kulturhaus entwerfen.

Sie wissen außerdem davon, dass es eine Vielzahl von Möglichkeiten gibt, sich europäische Projekte finanzieren zu lassen. Eine Möglichkeit ist z.B. die Unterbringung eines europäischen Informationszentrums für die Bürgerinnen und Bürger der Stadt. Dafür kann man eine Förderung von der EU-Kommission erhalten.

Und vergessen Sie nicht, Sie wollten etwas für die Mitglieder der deutschen Minderheit und damit auch für alle Bürgerinnen und Bürger in Hradec Husákové erreichen. Sie haben quasi alle Freiheiten, gemeinsam mit anderen Interessierten ein Projekt zu entwickeln, das Ihren Vorstellungen entspricht.

Ganz offen sprechen Sie die Frage an, ob Ihr Verein in dieser besonderen und schwierigen Situation nicht eine neue Vorsitzende/einen neuen Vorsitzenden benötigt. Viele innovative Ideen sind aus Ihrer Sicht in der Vergangenheit auch daran gescheitert, dass die/der amtierende Vorsitzende zu wenig „Biss“ hatte, die Ideen auch durchzuboxen. Das muss sich ändern. Vielleicht würden Sie auch kandidieren!

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