Landesversammlung der Deutschen in Böhmen, Mähren und Schlesien

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Szenario des Planspiels


Mitten im Herzen der heutigen tschechischen Republik befindet sich, malerisch gelegen, eine Kleinstadt mit dem Namen Hradec Husákové, dem früheren „Kaiser Josefsgrätz“. In den Jahren der ČSSR diente der Ort den Filmstudios des ČST aus Barrandov oft als Kulisse für die weit über die Grenzen des Landes hinaus bekannten Kinderfilme. In der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg wurden immer wieder weltbekannte Spielfilme in den heute verwaisten Studios gedreht.

Das Städtchen mit den im Laufe der Jahrzehnte wechselnden Namen zeichnet sich jedoch durch eine ganz andere, besondere Einzigartigkeit aus: Mitten durch das Stadtgebiet verläuft die Grenze zwischen Böhmen und Mähren, manchmal sogar direkt durch ein Haus. Während die Eltern in Böhmen schlafen, liegen die Kinder im Zimmer nebenan bereits in Mähren. Wie das passieren konnte, ist heutzutage nicht mehr klar nachvollziehbar. Schenkungen und Erbfälle einer alten gräflichen Familie trugen im 18. Jahrhundert sicher dazu bei. Vielleicht war auch das Vermessungswesen nicht immer ganz so genau und gehorchte mehr den Wünschen der Hausbesitzer als den Erkenntnissen damaliger Messtechnik. In den Zeiten der ČSSR wurde mehrfach versucht, diese Doppelidentität zu beenden. Man wollte klare Verhältnisse schaffen. Erfolglos. Denn die Beharrlichkeit der Bürgerinnen und Bürger in dieser Frage wurde immer und immer wieder unterschätzt.

Sprachinsel und Mehrsprachigkeit in Hradec Husákové
Zugleich ist das malerische, heute eher abseitsgelegene Städtchen das, was man heute eine „Sprachinsel“ in der Tschechischen Republik nennt. Waren doch in ihren Mauern viele Menschen mit deutscher Muttersprache über die Jahrhunderte gerne zu Hause. Bis heute ist eine nicht kleine Zahl von Ihnen noch immer im alten Kaiser Josefsgrätz, dem heutigen Hradec Husákové, beheimatet.

Dieses Phänomen hat wohl darin seine Ursache, dass sich in Hradec Husákové bereits im 18. Jahrhundert eine beachtliche Anzahl von Menschen einfand, die wir heute Zuwanderer und Zuwanderinnen nennen würden. Der Großteil derer kam aus deutschen Ländern wie Sachsen, aber auch aus Württemberg und Coburg sowie aus Oberösterreich und aus Tirol. Die Gründung großer Manufakturen im Gefolge einer einzigartigen Erfindung - nämlich des Kaiser-Josefsgrätzer Porzellans - hat viele Spezialisten und Handwerker angezogen.

Nahezu unerschöpflich war die Nachfrage nach Arbeitskräften in den Manufakturen von Kaiser Josefsgrätz. Man kann sich heute kaum mehr vorstellen, wie sich damals die Kollektive verständigt haben, sprachen doch viele Tschechisch, noch mehr unterschiedliche deutsche Dialekte, andere Ungarisch, Polnisch, ja selbst Russisch und auch eine erkleckliche Siedlung von Familien aus dem Kaukasus gab es. Tschetschenische Muslime geflüchtet vor den Pogromen im russischen Zarenreich und fanden Aufnahme in Kaiser Josefsgrätz. Die Sprache der Obrigkeit in den Manufakturen blieb jedoch das Deutsche.

Als sich in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts überall in den österreichischen Ländern der k. u. k. Monarchie nationale Kurien in den Magistraten und Stadträten zu bilden begannen, die alles in jeweils eine hier tschechische und eine deutsche Abteilung trennen sollten, sprach sich aber die Bevölkerung von Kaiser Josefsgrätz strikt dagegen aus. Man war besonders stolz auf die Mehrsprachigkeit aller, in der achtjährigen Volksschule von Kaiser Josefsgrätz wurde in drei Sprachen unterrichtet. Alle Lehrer mussten mindestens drei Sprachen sprechen und so sprachen alle Kinder der Schule auch mindestens drei Sprachen. Deutsch wie Tschechisch aber auch Polnisch waren die „Linguae francae“ von Kaiser Josefsgrätz.  

Förderer Hradec Husákovés - Familie Waldštejn
Maßgebliche Förderer der frühen wirtschaftlichen Entwicklung damals war die gräfliche Familie Waldstein (Waldštejn). Deren einer Abkömmling Franz (František) hatte im Zuge einer geheimen Reise nach China bereits zum Beginn des 18. Jahrhunderts in Peking heimlich die dortige kaiserliche Porzellanherstellung beobachtet und diese Geheimnisse des „Weißen Goldes“ aus dem Fernen Osten mitgebracht. Dies geschah schon einige Jahre bevor das in Sachsen oder Wien hergestellte Porzellan seinen Weltruhm erlangt hat.

Exkurs

Erst im Oktober 1708 gelang es Johann Friedrich Böttger und Ehrenfried Walther von Tschirnhaus in Dresden bzw. Meißen, das erste europäische Porzellan zu produzieren. 1710 entstand in Meißen auf der Albrechtsburg die erste europäische Porzellanproduktionsstätte, die Weltgeltung erreichte. Das Meißener Porzellan aus der Meißener Porzellan-Manufaktur ist noch heute berühmt, alle Porzellane aus dieser Produktion tragen bereits seit 1722 das Markenzeichen für Meißener Porzellan, die „Gekreuzten Schwerter“.

Die zweitälteste Porzellanmanufaktur Europas entstand ein knappes Jahrzehnt nach Meißen dann in Wien. 1718 verlieh Kaiser Karl VI. seinem Beamten Claudius Innocentius du Paquier ein „Spezialprivilegium“ für die Herstellung von Porzellan innerhalb der habsburgischen Länder.

Bereits kurze Zeit später durfte dann auch im damaligen Kaiser-Josefsgrätz eine Manufaktur mit der Nutzung dieses Wissen von Franz Waldstein offiziell eröffnet werden. Leider konnte diese trotz der hohen Produktionsmengen nie wirklichen Weltruhm erlangen. Gleichwohl bescherte sie der Stadt eine großen Wohlstand. Eine Tatsache, die bis heute – insbesondere die deutschsprachigen – Bürgerinnen und Bürger der Stadt sowohl mit Freude als auch mit Missmut erfüllt.

Auf den ganz alten Editionen des Porzellans aus Kaiser-Josefsgrätz ist selbst das „K. u. k. Hoflieferant“-Insignium noch zu erspähen. Hatte doch der Thronfolger Rudolf von Habsburg noch knapp vor seinem Tode eine große Bestellung in Kaiser Josefsgrätz aufgegeben. Seither trug das Attribut „K. u. k. Hoflieferant“ zur Bekanntheit bei.

Das 20. Jahrhundert begann für Kaiser Josefsgrätz zunächst hoffnungsvoll und wurde bald turbulent, spätestens mit der Ausrufung der 1. Tschechoslowakischen Republik am 28. Oktober 1918. Mit einem Mal war nichts mehr wie es gewesen war, die Reichratsabgeordneten von Kaiser Josefsgrätz saßen noch immer in Wien im Parlament auf der Ringstraße als längst die neuen Staatsgrenzen gezogen worden waren. Eine Grenze mitten durch Kaiser Josefsgrätz, dem späteren Hradec Josefové und ab 1969 Hradec Husákové aber war geblieben – die böhmisch-mährische - und mit ihr der nunmehr dritte Name für das eigenwillige Städtchen. Mährische Gastfreundschaft und tschechischer kritischer Geist, deutscher Fleiß und deutsche Pünktlichkeit, alles das schrieben sich die Bürgerinnen und Bürger stolz auf Ihre Fahnen.

Autorin Johanna Waldštejn

Eine bekannte Tochter der Stadt aus dieser Zeit ist die Autorin Johanna Waldstein (Johanna Waldštejn), die ebenso Nachfahrin der gräflichen Familie ist. Ihre Werke gelten seit langem als klassische Texte der europäischen Moderne. Dennoch werfen Sie immer noch schwierige editorische Probleme auf. Das liegt im Wesentlichen daran, dass Johanna die weit überwiegende Zahl ihrer literaterarischen Werke nicht vollendete und daher auch nicht veröffentlicht hat. Vor allem gilt das für ihre drei Romane: „Die dunkle Burg“, „Der Teller aus Porzellan“ und „Die verschlossene Akte“.

Obwohl Johanna verfügt hat, Ihre literarische Hinterlassenschaft nach dem frühen Tode in den zwanziger Jahren "restlos und ungelesen zu verbrennen", veröffentlicht der damalige Bibliothekar von Hradec Josefové in einem Anflug von posthumer Verehrung ihre Werke.

Sie selbst bezeichnete sich in einem Fragment als deutsche Muttersprachlerin („Deutsch ist meine Muttersprache, aber das Tschechische spricht mir aus der Seele!“). Die deutschsprachige Bevölkerung in Kaiser Josefsgrätz, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts etwa 35-40 Prozent ausmachte, lebte in einer „inselhaften Abgeschlossenheit“. Ihre Sprache wurde auch als „Grätzisch“ oder „Josefsdeutsch“ bezeichnet. Diese Isoliertheit meinte die Autorin auch, wenn sie in dem bereits zitierten Fragment schrieb: „Ich habe niemals unter dem deutschen Volk gelebt.“

Die kommunistische Zeit ging an Hradec Husákové ruhig vorüber. Die geographische Lage fernab von Autobahnen und lediglich an der Endstation einer Eisenbahnnebenstrecke gelegen, trug dazu maßgeblich bei. Die alte Porzellanfabrik arbeitete still vor sich hin und die Produktion ging nach Karlsbad/Karlový Vary. Dort wurde ebendiese als „Original Karlsbader Porzellan“ an die Touristen aus dem In- und Ausland verkauft. Dies kränkte viele, aber gegen die Entscheidung aus Prager Zentralstellen gab es selbstverständlich keinen Widerspruch. Und „K. u. k. Hoflieferant“ war aus verständlichen Gründen nun auf einmal kein Markenzeichen mehr. Aber so hatte man auch seine Ruhe und andernorts erzwungene Veränderungen blieben Hradec Husákové erspart.

Leben und Vermächtnis der Sophie von Waldštejn
Vor wenigen Monaten kommt es zu einer seltsamen Begebenheit. Eine schwere Limousine mit Liechtensteiner Autokennzeichen parkt vor dem Rathaus von Hradec Husákové und nach längeren Besprechungen hinter verschlossenen Türen mit dem Bürgermeister bahnt sich eine Sensation an. Im Stadtrat werden Sonderberatungen einberufen und es dauert seine Zeit bis die ersten Gerüchte nach draußen sickern und in Hradec Husákové bekannt werden. Der Grund dieser Aufregungen ist ein Schreiben, das der Anwalt aus Vaduz überbracht hat. Ein „Vermächtnis“, ein Testament von der vor kurzem in Paris verstorbenen Gräfin Sophie von Waldštejn. Sie war die letzte Nachfahrin jener Familie, die Kaiser Josefsgrätz mit seinen früheren Porzellanmanufakturen und der bekannten Autorin zu seiner Berühmtheit verholfen hat. Die steinalte Dame, die bereits als junges Mädchen im Ausland zu großer Berühmtheit gelangt war, war in der Stadt nicht gänzlich unbekannt.

Aus ihrem Geburtsdatum hat Gräfin Sophie von Waldštejn immer ein Geheimnis gemacht, aus alten Aufzeichnungen im Archiv der Stadt ist jedoch eindeutig zu entnehmen, dass sie während der Zeit des Ersten Weltkriegs ihre ersten Jahre in der städtischen Schule verbracht hat. Ihr Lebenstraum, abseits des Lebens einer Gräfin, erfüllte sie sich bereits früh mit ersten kleinen Rollen in den frühen Filmproduktionen der örtlichen Filmstudios. Ihren Durchbruch feierte Sie schon Ende der 20er Jahre mit ihrer ersten großen Rolle der „Hana Deutschmannová“ in dem Film „Der melancholische Partisan“, der weltweit Erfolge feierte. Die einzig bedeutende Filmproduktion aus den heimischen Studios, die selbst in US-amerikanischen Kinos gezeigt wurde.

Bereits kurz nach der Besetzung der tschechischen Gebiete durch die Deutsche Wehrmacht im Herbst 1938 ist sie endgültig in die USA emigriert. Dort war sie zuvor schon einige Jahre im Filmgeschäft tätig gewesen. Der Weg zu weltweitem Ruhm war vorgezeichnet. Der Name aus ihrer ersten Rolle war ihr geblieben. Sie merkte schnell, dass es der Karriere förderlich war, ihre eigentliche Herkunft im Dunkeln zu belassen. Immer mehr entstand das Bild, dass die fiktive Rolle der Hana Deutschmannová eine autobiografische Erzählung sei.

Die alte Dame war eine wirkliche Diva und zugleich von einer leuchtenden Leichtlebigkeit– ganz Bohème: eine Kettenraucherin, auf hohen Absätzen, Platinblond onduliert und mit knapp über Hundert mit immer noch rauchiger Stimme und einem leichten tschechischen Akzent. Sie sagte über ihren Lebenswandel eigentlich immer nur eines: „Nach der sechsten Ehe Anfang der siebziger Jahre habe ich aufgehört, meine Männer zu zählen.“

Schon vor 1989 war Sophie von Waldštejn immer wieder zu Besuch gekommen. Inkognito hatte sie die alten Bekannten besucht, mit ihrem noch immer vorhandenen tschechoslowakischen Pass war es auch keine unüberwindliche Schwierigkeit gewesen, nach „Hause“ zu kommen. Einen Schweizer und Liechtensteinischen Pass hatte sie aber auch. Nach 1990 aber war sie, bereits hochbetagt, sehr oft zu Gast. Denn nicht nur hatte sich der emotionale Bezug der Familie zum Städtchen Kaiser Josefsgrätz, das nun auf einmal Hradec Husákové hieß, über die Jahrhunderte nicht verändert. Auch wollte Frau Gräfin die Gräber ihrer Vorfahren selber bepflanzen, in der alten Küche des Schlosses, das nunmehr das städtische Museum beherbergt, sitzen und sich an ihre Kindheit erinnern.

Nachdem die Familie Waldštejn die tschechische Heimat verlassen hatte, kümmerte sich der Staat nur noch unzureichend um die Menschen mit ihren ganz persönlichen Herausforderungen. Nun aber dieses Schreiben, das mit dem dunklen Wagen mit dem Liechtensteiner Kennzeichnen überbracht worden war. Im Fond des Wagens war einer der renommiertesten Anwälte aus Vaduz gesessen und hatte in seiner Aktentasche das „Vermächtnis“ von Sophie von Waldštejn. Allen waren gespannt, denn die Kunde hatte sich schnell herumgesprochen in der Stadt.

Bis nach Hollywood hatten ihre Wege sie geführt. Mehrfach war sie selbst in der kommunistischen Zeit in ČSSR-Filmstudios vor der Kamera gestanden. Hatte Sie sich doch nie von der Heimat losgesagt, selbst in anderen Sprachen den tschechischen Akzent immer ein bisschen, man könnte fast sagen, kultiviert. Dies aber, obwohl sie zur alten Aristokratie gehörte und eigentlich alleine deshalb eine Persona non grata in der ČSSR war. Es konnte wohl weniger um Geld gehen, denn Gräfin Sophie war zwar die Alleinerbin des ganzen Familienbesitzes, aber aufgrund ihres äußerst aufwendigen Lebensstils waren ihre Gagen als Filmschauspielerin ausgegeben und wohl auch vom gräflichen Erbe nicht mehr viel übrig geblieben. Gerade dieser Lebensstil hatte Sofie von Waldštejn so bekannt gebracht.

So verwundert es nicht, dass manche hinter vorgehaltener Hand murmeln, das alles habe mit ihrem sehr besonderen Verhältnis zu Gustav Husák zu tun. Es sei doch kein Zufall, dass mitten zwischen Böhmen und Mähren plötzlich eine Stadt „Hradec Husákové“ genannt worden sei. Manche meinen auch zu wissen, dass diese Verbindung in den alten Kaffeehäusern von Bratislava ihren Anfang genommen hätte, in den 1960er Jahren. Aber genau weiß das alles niemand, es gibt nur die Gerüchte und den vielsagenden Namen des Städtchens aus dieser Zeit. Fakt ist jedoch, dass Gustav Husák gerne und oft Gast in dem kleinen Städtchen gewesen ist - gerade dann, wenn auch Sophie in ihrer Heimatstadt zu Gast war.

Doch nun zurück zu dem Anwalt aus Vaduz, der im Stadtrat dem Bürgermeister von Hradec Husákové das Vermächtnis der Gräfin Sophie von Waldštejn überbracht und bekannt gemacht hat. Das alles ist natürlich, wie hätte man es anders erwarten können, nicht so einfach. Illuster die Vergangenheit, illuster die Erinnerung, die Spuren und genauso der Wortlaut des Vermächtnisses:

Mein letzter Wille!

Ich, Sophie von Waldstein, verfüge im Vollbesitz meiner geistigen Kräfte, dass all mein Vermögen, den Bürgerinnen und Bürgern meiner Heimatstadt zu Gute kommt. Ja, richtig, mein Vermögen, mein ganzes Vermögen!

Viele werden angenommen haben, dass meine Habseligkeiten am Ende meines Lebens selbst für eine einfache Beisetzung nicht mehr ausreichen können und ich nur noch vor den Toren der Stadt verscharrt werden kann.

Ich habe jedoch vorgesorgt, nicht nur für eine letzte Ruhestätte im meiner zweiten Heimat Paris, nein, ich möchte auch dort, wo ich geboren wurde, keinesfalls vergessen werden. So oder so!

Das hättet Ihr alle sicher nicht gedacht. Ihr alle, die mich immer nur als Hana Deutschmannová gesehen habt.

Auf einem Konto in Liechtenstein habe ich bereits im Jahre 1949 eine Million Schweizer Franken festverzinslich angelegt, die nach meinem Tod ausgezahlt werden kann. Je länger ich leben werde, umso mehr werdet Ihr alle profitieren.

Ganz so einfach möchte ich es den Töchtern und vielleicht auch den Söhnen der Stadt jedoch nicht machen, denn in den vergangenen Dekaden war es auch für mich nicht immer einfach gewesen in meiner alten Heimat. Ich habe zutiefst gelitten und das ist noch geprahlt.

Viel zu lange und viel zu oft habe ich am eigenen Leib erfahren, wie immer weiter versucht wurde, den alte Geist meiner Heimatstand auszulöschen. Nicht nur die Bespitzelungen während meiner Aufenthalte in meiner alten Heimat, auch die Beschränkungen nicht einmal sagen zu dürfen, wer ich bin, haben mich wirklich zutiefst gekränkt. Manchmal war es auch schlicht das Desinteresse derer, die heute hier in meiner alten Heimatstadt leben an dem vormaligen kulturellen Reichtum dieses Landstrichs.

Die modern gewordene Einsprachigkeit hat mir nie behagt. So war es nicht und so ist es auch nicht richtig. Und so ist mein Wille, dass auch die deutsche Kultur und Sprache wieder gepflegt werden. Dazu kommt, ich kenne dies selbst am besten, junge talentierte Frauen sollen unterstützt werden in ihren Bestrebungen und Vorhaben. Wie schwer war es für mich damals, das zu tun was ich wollte, ohne meiner Umwelt gefallen zu müssen. Eigentlich hat sich nicht viel geändert. Immer noch stehen Frauen viele Türen nicht offen.

Diese beiden Anforderungen stelle ich als Bedingung für die Ausschüttung meiner Hinterlassenschaft in Hradec Husákové. Sollte der Stadtrat sich nicht meinem Wunsch der Förderungen anschließen, so ist das Geld zweckgebunden für den Bau eines Gefängnisses in den Mauern meiner Heimatstadt auszugeben, ein Gefängnis so groß, wie es noch nie eines in Böhmen oder Mähren gegeben hat. Es soll so viel Platz haben, dass all die Menschen darin Platz haben könnten, denen ich während meines Lebens einen kurzen oder dauerhaften Aufenthalt im Gefängnis gewünscht hätte. Seid gewiss, es waren viele, sehr viele!

Sollte sich der Stadtrat nicht mit den so hoffentlich vorhandenen Mitgliedern der Vertretung der deutschen Minderheit einigen können, dann wird Hradec Husákové sicher zu einer ganz großen Berühmtheit gelangen und Land auf Land ab bekannt werden und viele Gäste beherbergen, die die Stadt nicht mehr so schnell werden verlassen können.

Kommt der Stadtrat jedoch meinem letzten Willen nach, dann wird das Geld der Förderung all der jungen und alten Frauen zufließen, die ihr Leben lang haben leiden müssen und auf Grund der Einschränkungen nicht haben so leben können, wie ich es ihnen gegönnt hätte. Meine Heimatstadt soll ein Ort des Glücks und Zufriedenheit werden.

Sophie von Waldštejn, Paris im Herbst des Jahres 1989


Nur wenig später, der Anwalt aus Lichtenstein hatte seine Mission gerade erfüllt, trafen zwei Schriftstücke in Prag ein. Beide waren an unterschiedliche, gewichtige Personen adressiert, die ein Ersuchen zur Einhaltung des letzten Willens von Sophie von Waldštejn enthielten. Das erste erging an die Ministerin für Frauenangelegenheiten der Tschechischen Republik. In diesem hob Sophie von Waldštejn insbesondere den Passus zur Unterstützung von jungen Frauen hervor und erbat dazu eine Art Schirmherrschaft für diesbezügliche Projekte. Das zweite Schreiben war an den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland in Prag gerichtet. Der Inhalt hier fokussierte auf den zweiten Aspekt des letzten Willens: Die Unterstützung beim Wiederaufleben der alten Tradition der Mehrsprachigkeit, und hier insbesondere der deutschen Sprache und der deutschen Kultur in all seinen Facetten, in Hradec Husákové.

Diese beiden Briefstücke sorgten für Aufregung, gehörten doch Schreiben solcherart nicht zum Alltagsgeschäft, allerdings erklärten die Adressaten, die Frauenministerin und auch der Botschafter, öffentlich, dass sie sich ihrer Verantwortung bewusst seien. Beide sicherten zu, das Möglichste von ihrer jeweiligen Seite zu tun, um unterstützend zur Umsetzung des letzten Wunsches von Sophie von Waldštejn beizutragen.

Umsetzung des letzten Willens der Sophie von Waldštejn
Aber wie denn nun diesen Wunsch der Sophie von Waldštejn umsetzen? Die erste Idee, die den Leuten von Hradec Husákové kam, war … ein Kulturhaus. Später äußerte so mancher noch weitere Ideen, aber letztendlich kehrten alle Überlegungen immer wieder zu dem einen, ersten Gedanken zurück. Es sollte ein Haus sein, ein Haus der Vielsprachigkeit, ein Haus in dem die anderen Sprachen außer dem vorherrschenden Tschechisch auch noch gesprochen und sogar gelernt werden sollten. Und ein Haus, in dem man sich um die talentierten Frauen von Hradec Husákové kümmern, deren Talente fördern, deren Entwicklung unterstützen würde. Nicht zuletzt die Appelle an die Frauenministerin der Tschechischen Republik und den Botschafter der Bundesrepublik Deutschland erzeugten große Furore. Hatten doch immer alle geglaubt, Hradec Husákové sei nun das Ende der Welt, mit einem Mal richteten sich alle Augen der Tschechischen Republik auf das kleine Städtchen, denn die Kunde von dem großen Vermächtnis der weltberühmten Ahnin von Hradec Husákové war selbst den großen Zeitungen in der sonst so fernen Hauptstadt Prag eine Schlagzeile an prominenter Stelle wert. Für einen aber war der ganze Trubel zuviel. Der Herr Bürgermeister, rundum beliebt, im Amt über zwei Dekaden, aber eben auch schon etwas fortgeschrittenen Alters mit seinen 77 Jahren. Die Aufregung schlug sich ihm aufs Herz, nach dem ganzen Herzrasen, dass nun endlich Hradec Husákové, das geliebte Städtchen berühmt wird. Selbst in Prag und ganz zu schweigen von Deutschland. Nach dem Öffnen der letzten Briefstücke sank der Bürgermeister in seinen Bürgermeistersessel und musste ins Universitätskrankenhaus in Prag-Motol gebracht werden. Dort liegt er nun seit Tagen ohne Bewusstsein, die Aufregung war einfach zuviel und er befindet sich nun nach einer Herzattacke in einem künstlichen Tiefschlaf, wie die Mediziner verlauten ließen. Die Räder von Hradec Husákové stehen still. Damit hatte niemand gerechnet, auch nicht rechnen wollen, und nun greift einen allgemeine Ratlosigkeit um sich. Wie soll es nun weitergehen im Bürgermeisteramt, just in dem Augenblick, wo alle Kräfte gefordert sind?

 

Immobilien in Hradec Husákové

 

Bauernhof „Alte Mühle“
Bauernhof Alte Mühle

Baujahr

1780

Wohnfläche/Grundstücksfläche

150 m2/3000 m2

Objektbeschreibung

Ein bequemes, gemütliches Haus, geschmackvoll und mit viel Liebe zum Detail eingerichtet. Wände und Böden aus Holz sorgen für eine warme Atmosphäre. Ein antiker Kachelofen und ein Kamin zieren jeweils eines der Zimmer.

Zwei Haushälften sind jeweils mit drei Zimmern, Speisesaal und Bad bestückt. Die Haushälften sind für vier Personen ausgelegt und es gibt genügend Raum, um Zustellbetten einzustellen. Dies ist ein großartiger Ort zur Familienerholung und für besondere Veranstaltungen. Das Haus ist mit einem modernen Wärmedämmsystem ausgestattet und ganzjährig bewohnbar.

Lage

Das Objekt liegt malerisch etwa 12 Kilometer außerhalb von Hradec Husákové in einer agrotouristischen Region. Neben dem Wohnhaus gehören zum Objekt ein Stallgebäude und ein Brunnen. In der Nähe befindet sich ein Wald, die Lage ist ruhig. Baumrascheln und Vogelgezwitscher liegen in der Luft. Das Haus umgibt ein 3000 m² großer Garten mit Bäumen, Blumen, Sträuchern und einem Schuppen. Anliegend ist eine Feuer- und Grillstelle. Wer genug vom Großstadtlärm hat, findet hier die nötige Erholung in Stille und herrlicher Landschaft. Die Bushaltestelle ist in 15 Minuten zu Fuß erreichbar.

Sonstiges

Die Legende besagt, dass Johanna Waldštejn hier einmal einen Sommer verbracht haben soll.

Wert des Objektes

175.000 Euro

 

 

Alte Porzellanfabrik in Hradec Husákové
Alte Porzellanfabrik

Baujahr

1891

Grundstücksfläche

Etwa 2.800 m2

Objektbeschreibung

Das Objekt wurde mit roten keramischen Ziegeln im Jahre 1891 erbaut. Sein Grundriss ist rechteckig. Es besteht gänzlich aus Originalziegeln und ist nicht verputzt, eine Rarität. In der kommunistischen Zeit wurde die Fabrik zu einer der wichtigsten der Tschechoslowakei. In der freien Marktwirtschaft konnte sie aber mit den ausländischen Unternehmen nicht konkurrieren. Die Fabrik steht neben einem zweiten ebenso prächtigen Fabrikgebäude, mit dem sie während einer Renovierung verbunden werden könnte. Dies würde eine effizientere Raumordnung ermöglichen. Die Grundfläche der Haupthalle beträgt 3000 m² auf mehreren Ebenen und die vier Nebenhallen betragen 1250 m². Die Höhe der Hallen beträgt 7,5 m bis zum Laufkran; der Laufkran wiegt 2,5 Tonnen, das Eingangstor ist 4,5 m hoch. Es gibt Wasser-, Strom- und Gasleitungen.

Lage

Das Objekt liegt am Rande des Industriegebiets, das nach dem Zweiten Weltkrieg geschaffen wurde. Die Fabrik befindet sich in der Nähe der Straßen in Richtung Prag und Pardubice. Mit dem Bus fährt man 15 Minuten in die Innenstadt. Der Bus fährt jede Stunde.

Sonstiges

Das Objekt steht seit 1990 leer. Es hat eine solide Grundlage, die sich über die Jahre erhalten hat, obwohl das Objekt seit langem nicht gebraucht wurde.

Wert des Objektes

650.000 Euro

 

 

Bürgerhaus am Marktplatz von Hradec Husákové
Buergerhaus am Marktplatz

Baujahr

1895

Wohnfläche/Grundstücksfläche

200 m², 2 Etagen (2. und 3. Etage)

Objektbeschreibung

Die Räume wurden viele Jahre von der Stadtverwaltung verwendet. Auf jeder Etage gibt es eine kleine Küche und Sanitäreinrichtungen. Bemerkenswert ist das historische Portal, das sich über der Eingangstür befindet. Auf dem hier angebrachten Stadtwappen gibt es eine lateinische Inschrift. Das Haus gilt als Wahrzeichen der Stadt. Das Gebäude ist in sehr gutem Zustand erhalten und kann repräsentative Aufgaben erfüllen. In die Räumlichkeiten fällt viel Tageslicht. Das Gebäude kann auch als Schulungszentrum genutzt werden – es verfügt über einen Konferenzraum, der für Sitzungen in Gruppen bis zu 45 Personen geeignet ist. Besonders bemerkenswert sind die hohen Decken und die mit Marmor ausgekleidete Treppe.

Lage

Das Gebäude befindet sich am rekonstruierten Markt in Hradec Husákové, in der Nähe der Promenade. Die Anreise mit dem Auto ist nur zu bestimmten Zeiten zwischen 6:00 und 10:00 Uhr möglich.

Sonstiges

Im Objekt gibt es keinen Lift.

Wert des Objektes

Die Stadt ist nicht Eigentümerin des Hauses, aber sie könnte das Objekt der deutschen Minderheit unter-vermieten.

 

 

Geschäftshaus an der Ringstraße
Geschaeftshaus an der Ringstraße

Baujahr

1910

Wohnfläche/Grundstücksfläche

Nutzfläche im Erdgeschoss 200 m²/ Wohnfläche 600 m² auf 3 Etagen, Hof 250 m²

Objektbeschreibung

Im Gebäude gab es bis zur Mitte der 1990er Jahre eine Boutique mit Frauenmode. Seit fast 20 Jahren steht das Gebäude leer. Besonders hervorzuheben sind die schönen, original erhaltenen Stuckdecken im Treppen-haus. Das historische Gebäude begeistert auch durch die Aufmachung der Innenräume. Das Objekt kann so umfunktioniert werden, dass hier Geschäfte oder Büros entstehen.

Lage

Das Objekt liegt fünf Minuten vom Markt entfernt. Vor dem Gebäude gibt es viele Parkplätze.

Sonstiges

Das Gebäude muss renoviert werden und steht unter Denkmalschutz.

Wert des Objektes

300.000,00 Euro

 

 

Zweifamilien-Doppelhaus
Zweifamilien Doppelhaus

Baujahr

1955

Wohnfläche/Grundstücksfläche

220 m² Wohnfläche, das Objekt ist in zwei Haushälften geteilt mit jeweils 600 m² Grundstücksfläche.

Objektbeschreibung

Ein schönes, renoviertes Doppelhaus, bereit bezogen zu werden. Zwei Stockwerke: im Erdgeschoss befinden sich Wohnzimmer und Küche, auf der Etage die Zimmer. Auf jeder Etage gibt es ein Badezimmer. In den Zimmern Laminatboden, in Küche und Bädern Fliesen und Terrakotta. Zum Haus gehören ein Keller und ein Balkon. Kürzlich durchgeführte Reparaturen: Austausch der Fenster, der Installationen, Austausch der Eingangstüren und Dachreparatur. Das Haus ist umzäunt, das Tor öffnet sich automatisch, Parklichtsensor.

Lage

Das Objekt befindet sich in der Siedlung "Edvard Beneš", die nach dem Krieg für junge Ehepaare gebaut wurde. In die Innenstadt sind es etwa 10 Minuten Fußweg. Das Objekt liegt in der Nachbarschaft ähnlicher Häuser und in unmittelbarer Nähe von Geschäften, der Schule und dem Kindergarten. Schöne, ruhige Wohnlage, viel Grün. 
Trotz der relativ dichten Bebauung gibt es in der Siedlung viele Erholungsplätze wie auch einen Spielplatz.

Sonstiges

Die Siedlung ist gut an andere Stadteile angebunden. In der Nähe liegen eine Apotheke, eine Bank, das Einkaufszentrum, ein Friseur und ein Schönheitssalon, eine Wäscherei und eine Tierarztpraxis.

Wert des Objektes

250.000,00 Euro

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